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Bonner Münster

Citykirche & Europäisches Monument

 

Bonner Stadtpatronefest nähert sich dem Höhepunkt
 

Oberbürgermeister entzündet die Bittkerze des Rates im Bonner Münster
 


Am Sonntag, 16. Oktober 2011 um 10.00 Uhr werden Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Mitglieder des Rates gemeinsam mit Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher in einer feierlichen Prozession ins Bonner Münster einziehen. Mit im Gepäck haben sie die Bittkerze, die seit dem Mittelalter der Rat alljährlich stiftet und der Oberbürgermeister entzündet. Am wird in Endenich, wo der Überlieferung nach Cassius und Florentius hingerichtet wurden das Marterfest statt. Die feierliche Einstimmung geben das Festkonzert und „eine gute Nacht im Münster“ am Vorabend.

Der Festgottesdienst mit dem Kerzenopfer des Rates ist der Höhepunkt des zehntägigen Festes zu Ehren der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius. Bereits aus dem Mittelalter ist die Tradition überliefert. Ein Protokoll des Cassius-Stiftes von 1595 spricht von sechs Wachskerzen, die der Magistrat der Stadt gestiftet hat.
Oberbürgermeister und Vertreter des Rates werden gemeinsam mit Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher in einer feierlichen Prozession mit in die Basilika einziehen. Dazu singt der Chor die Bonner Stadthymne „Urbs Bonnenis, urbs Rhenalis“. Nach der Segnung der Kerze entzündet das Stadtoberhaupt die Kerze mit der Aufschrift „Cassius, Florentius, bittet für uns“. In der Mitte ist ein Schwert abgebildet, welches auf das Martyrium der Stadtpatrone hinweist. Seit 1300 Jahren werden Cassius und Florentius an diesem Ort für ihren Mut und ihren unbeirrbaren Glauben verehrt.

Marterfest in Endenich
Im Rahmen des Stadtpatronefestes wird in Endenich das „Marterfest“ am kommenden Sonntag gefeiert. Der Überlieferung nach sollen die Bonner Stadtpatrone oberhalb von Endenich hingerichtet worden sein, dort, wo heute die Marterkapelle steht. Das Fest wird mit einem festlichen Gottesdienst mit Generalvikar Prälat Dr. Dominik Schwaderlapp und Dechant Alfons Adelkamp eröffnet, bevor die Prozession hinaufzieht zur Marterkapelle. Weitere Gottesdienste finden statt: 15:00 Andacht und 17:00 Vesper. Nach der Komplet um 19:00 ziehen die Gläubigen in einer Lichterprozession wieder zur Pfarrkirche. Als „waschechter“ Endenicher wird der Stadtdechant wie viele andere aus diesem Stadtteil stammenden Priester daran teilnehmen.
Übrigens: Aus der Bonner Innenstadt führt ein alter Wallfahrtsweg zur Bonner „Schädelstätte“. Der „Mordkapellenweg“ (von Marterkapelle) beginnt heute allerdings erst an der Baumschulallee.

 

Musikalische Highlights am Vorabend
Naheliegender könnte die Verbindung kaum sein: Das Festkonzert im Rahmen des Stadtpatronefestes wird von Pater Georges Athanasiedès mitgestaltet, einem Angehörigen der schweizerischen Augustiner-Abtei Saint Maurice. Wie das Bonner Münster in den Heiligen Cassius und Florentius hat auch dieses 515 erbaute Kloster einen Soldaten der Thebäischen Legion zum Schutzheiligen, den heiligen Mauritius, der mit seinen Gefährten im Unterwallis den Märtyrertod erleiden musste. Pater Athanasiedès wird beim Festkonzert (Samstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr) das Violoncello spielen und von Alexandru Morosanu (Rumänien) an der Orgel begleitet werden. Konzertkarten sind im Vorverkauf über den Münster-Laden (Gerhard-von-Are-Straße 1) sowie über BonnTicket erhältlich und kosten 12 bzw. 8 Euro.
Akustischen und visuellen Genuss verspricht die an das Festkonzert anschließende Musikdarbietung „Eine gute Nacht im Münster“ – in der farblich illuminierten Basilika wird das Jazz-Trio Spicer-Fischer-Räther alte Kirchenlieder in zeitgenössischer Interpretation aufführen. In dieser Nacht ist auch der mittelalterliche Kreuzgang des Bonner Münsters geöffnet, der während der Festdekade in Erinnerung an die beiden Märtyrer blutrot illuminiert wird.

 

Noch bis Dienstag ist der Pilgerweg offen
Viele Gruppen, darunter 20 Kindertagesstätten und Schulklassen sind bislang über den Pilgerweg durch das Münster hinunter zu den Gräbern der Märtyrer gegangen. Darunter das Sekretariat der Bischofskonferenz, Ordensleute, die Caritas, Frauengemeinschaften und 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kölner Doms. Letztere feierten am Donnerstagmorgen mit Domdechant Johannes Bastgen die Pilgermesse. Aber auch unzählige Einzelpilger oder Kleingruppen nutzen diese zehn Tage für eine kurze geistliche Einkehr.
Nach der festlichen Messe am Dienstag, 18.10.2011 zieht die letzte Prozession durch das Bonner Münster mit den Reliquiaren der Stadtpatrone. Danach lässt Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher zehn Tage nach der Eröffnung die Gruft wieder schließen und schlägt sechsmal auf die Falltüren, wobei jeder zweite schlag schon anklopft für die nächste Festdekade vom 7. bis 16. Oktober 2012

 

Verehrung weit verbreitet
Cassius und Florentius gehörten der Thebäischen Legion an. Diese aus dem heutigen Ägypten stammende römische Einheit bestand aus 6.600 Soldaten, die allesamt Christen waren. Sie wollten den Kaiser nicht länger als Gott verehren und nicht gegen andere Christen kämpfen. Daraufhin ließ Kaiser Maximinian jeden Zehnten hinrichten. Als diese Abschreckung nicht half, wiederholte er dies solange, bis die gesamte Legion ausgelöscht war. Sie werden bis heute für ihre Tapferkeit und ihren unbeirrbaren Glauben an vielen Orten verehrt. Wie in Bonn, so feiern auch die Christen in Xanten (Viktor) und in Köln (Gereon) die Märtyrer. In Sant Maurice (Mauritius) wie auch in Basel und Solothurn (Viktor & Ursus) wurde bereits in den vergangenen Tagen der Heiligen gedacht.

 


Grußwort des Oberbürgermeisters zum Stadtpatronefest 2011
Das Fest der Stadtpatrone Cassius und Florentius gehört zu den besonderen Festen in unserer Stadt. In diesem Jahr weist es eine Woche nach dem NRW-Tag und Deutschlandfest darauf hin, wo die Wurzeln unserer Stadt sind: die Gräber von Menschen, die für ihre Überzeugung, ihren Glauben gestorben sind. Das macht uns schon fast einmalig: Frankfurt ist gegründet an einer Furt über den Main. München begann mit dem Bau einer Brücke über die Isar, Hamburg verdient seine Gründung einer karolingischen Fluchtburg. Düsseldorf ging aus einem blutigen Machtkampf zwischen dem Herzog von Berg und dem Kölner Erzbischof hervor und Stuttgart war ursprünglich ein „stuotgarten“, das Gestüt eines Herzogs. Bonn aber hat als Fundament heilige Menschen.
Die Verehrung dieser Angehörigen der thebäischen Legion ist hier für das sechste Jahrhundert urkundlich bezeugt. Die Tradition aber reicht viel weiter bis zum Scheitelpunkt des dritten und vierten Jahrhunderts. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Thebäer-Verehrung überall in Europa am Beginn des Mittelalters entwickelt hat: ausgehend von Saint Maurice im Wallis in Tours und Angers an der unteren Loire, im Burgund, in der Auvergne, in Lothringen, in Oberitalien, und eben auch in Bonn, Köln und Xanten. Sie erreichte fast gesamteuropäische Ausmaße.
Wenn wir also auf die Stadtpatrone schauen, dann betreiben wir keine Nabelschau, sondern unser Blick wird in viele Regionen Europas gelenkt, wo die Thebäer auch verehrt werden. Das Münster ist nicht nur architektonisch, sondern auch angesichts seiner Heiligen ein „europäisches Monument“.
So wird das Fest in diesem Jahr schon fast zu einer Fortsetzung der Festtage am Anfang des Monats Oktober. Möge von den Heiligen Cassius und Florentius Segen ausgehen für Bonn und für Europa.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Letzte Aktualisierung: 13.05.2012