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16.10.2011 | Stadtdekanat Bonn

 

Kerzenopfer für die Bonner Stadtpatrone

 

Bitt-Kerze der Stadtspitze markiert Höhepunkt der Festdekade

Stadtdechant mahnt mehr soziales Gewissen und Verantwortung an

Seit dem Mittelalter wird dieser Brauch gepflegt und hat an Aktualität doch nichts verloren: „Cassius, Florentius, ora pro nobis“ – „Cassius, Florentius, bittet für uns“, steht auf der großen Kerze geschrieben, die Rat und Verwaltung am Sonntag bei einem feierlichen Hochamt den beiden Schutzheiligen der Stadt darbrachten. Alljährlich ist dieses Kerzenopfer der Höhepunkt der zehn Tage währenden Feierlichkeiten zu Ehren der Bonner Stadtpatrone. Zu den Klängen des Stadtpatroneliedes trug Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch  die Kerze mit dem Wappen der Stadt Bonn zum Schrein der Märtyrer in die Krypta des Bonner Münsters.

 

In seiner Predigt nahm Stadtdechant und Münster-Pfarrer Msgr. Wilfried Schumacher die weltweiten Proteste gegen die „Gier der Finanzmärkte“ zum Anlass, mehr soziales Gewissen und Verantwortung anzumahnen. Papst Benedikt XIV. habe diesem Gedanken eine ganze Enzyklika gewidmet: „Ohne Wahrheit, ohne Vertrauen und Liebe gegenüber dem Wahren gibt es kein Gewissen und keine soziale Verantwortung: Das soziale Handeln wird ein Spiel privater Interessen und Logiken der Macht, mit zersetzenden Folgen für die Gesellschaft.“, zitierte Msgr. Schumacher aus der Enzyklika Caritas in Veritate.

 

Angesichts der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation seien dies fast schon prophetische Worte, so Schumacher. Vielerorts habe sich die Wirtschaft selbst zum ethischen Prinzip erklärt, werde das Streben nach größerem Erfolg und Gewinn als höheres Ziel definiert, dem sich alles unterwerfen müsse. Schumacher erinnerte an den am Sonntag vor 24 Jahren verstorbenen Kölner Erzbischof Josef Kardinal Höffner, der gefordert habe, dass der Markt nicht von Macht und Gier bestimmt werden dürfe, sondern vom „Geist sozialer Liebe“. Der Stadtdechant erinnerte an den ersten Johannes-Brief („Gott ist größer als unser Herz“), der dazu auffordere, nicht nur mit „Wort und Zunge (zu) lieben, sondern in Tat und Wahrheit“.

Zu den festlichen Klängen der Bonn-Hymne „Urbs Bonnenis, urbs Rhenalis“ war Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zuvor gemeinsam mit Mitgliedern des Rates in die vollbesetzte Münster-Basilika eingezogen und damit einem seit dem Mittelalter gepflegten Brauch nachgekommen: Ein Protokoll des Cassius-Stiftes von 1595 spricht von sechs Wachskerzen, die der Magistrat der Stadt gestiftet hat. Ein in der Mitte der Kerze abgebildetes Schwert erinnert an das Martyrium der Stadtpatrone, die seit 1300 Jahren in Bonn für ihren Mut und ihren unbeirrbaren Glauben verehrt werden.

 

Am Festhochamt nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung, Handel und Gesellschaft teil, darunter auch Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, der zugleich Landesvorsitzender der NRW-CDU ist. Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von Werken des ungarischen Komponisten Zoltan Kodaly und dem Gesang hervorragender Solisten und Chöre unter der Leitung von Regional- und Münster-Kantor Markus Karas.

 

Polizeipräsident mit Goldener Münster-Nadel ausgezeichnet

Im Anschluss an den Gottesdienst erhielt der scheidende Bonner Polizeipräsident Wolfgang Albers aus der Hand des Stadtdechanten die Goldene Münster-Nadel. Wolfgang Albers, engagierter evangelischer Christ und Mitglied der Kreissynode Bonn und der Rheinischen Landessynode, ist der zehnte Träger der Münster-Nadel.

In seinen Bonner Dienstjahren habe Albers immer auch den Kontakt zur Katholischen Kirche und zum Bonner Münster gesucht, begründete Msgr. Schumacher die Auszeichnung. Der von der Kirche initiierte „Runde Tisch zum Bonner Loch" sei nicht zuletzt auch durch seine engagierte Mitarbeit von Erfolg gekrönt worden, erklärte Schumacher und erinnerte an die hervorragende Zusammenarbeit der Kirche mit der Polizei bei der Organisation und Durchführung des Weltjugendtages 2005. Wolfgang Albers bedankte sich für die Auszeichnung und würdigte seinerseits den engen Kontakt und „echten Dialog“ mit der Katholischen Kirche und Organisationen wie Caritas und Diakonie, den er in seiner Zeit als Bonner Polizeipräsident sehr zu schätzen gewusst habe.

Die vergoldete Nadel wurde von dem Bonner Juwelier Manfred Richarz geschaffen.

 

Marterfest in Endenich

Eine besonders enge Verbindung zu den beiden Bonner Stadtpatronen wird im Stadtteil Endenich gepflegt, wo am Sonntag mit einem festlichen Gottesdienst und einer Prozession das „Marterfest“ gefeiert wurde. Der Überlieferung nach sollen Cassius und Florentius oberhalb von Endenich hingerichtet worden sein, dort, wo heute die Marterkapelle steht. Nach Andacht, Vesper und Komplet zogen die Gläubigen in einer Lichterprozession wieder zur Pfarrkirche; an ihr nahmen als „waschechter“ Endenicher auch der Stadtdechant und viele andere aus diesem Stadtteil stammende Priester teil.

 

Noch bis Dienstag ist der Pilgerweg offen

Noch bis zum Dienstag (18.10.2011) bietet der Pilgerweg im Bonner Münster Gelegenheit für eine kurze geistliche Einkehr. Nach einer festlichen Messe um 18 Uhr zieht die letzte Prozession mit den Reliquiaren der Stadtpatrone durch das Gotteshaus und lässt Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher die Gruft wieder schließen. Von den sechs Schlägen auf die Falltüren wird allerdings jeder zweite Schlag schon „anklopfen“ für die nächste Festdekade vom 7. bis 16. Oktober 2012.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Letzte Aktualisierung: 13.05.2012