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20.09.2011 | Bonner Münster
Glocken des Bonner Münsters grüßen Benedikt XIV.
Enge und vielfältige Verbindungen zwischen Bonn und dem Vatikan – Akademische Karriere des Pontifex begann am Rhein Eine persönliche Begrüßung haben die Reisepläne dieses Mal nicht zugelassen – zu Bonn aber und zum Bonner Münster hat seine Heiligkeit, Papst Benedikt XIV, eine besondere Beziehung. Pünktlich zum Auftakt der dritten Deutschland-Reise seiner Amtszeit werden am Donnerstag deshalb auch die Glocken des Bonner Münsters erklingen: Aus der Ferne zwar und doch von einer alten Wirkungsstätte aus wird Papst Benedikt XIV. so mit besonderer Freude empfangen werden. Wenn gegen 10:30 die Maschine aus Rom deutschen Boden berührt, werden sich die 250 Jahre alten Glocken in Bewegung setzen, die Benedikt XVI. nur zu gut kennt.
Akademische Anfänge in Bonn Für einen einstündigen Abstecher in die Bundesstadt hatte sich Benedikt XIV. auch beim Kölner Weltjugendtag 2005 Zeit genommen – mit acht Minuten Verspätung zwar traf das Oberhaupt der Katholischen Kirche seinerzeit im zweiten Amtssitz des Bundespräsidenten ein, der Villa Hammerschmidt, doch jubelten Tausende an der Adenauerallee dem Papst zu. Bei so manchem reicht die Erinnerung sogar noch weiter zurück - an der Bonner Universität (1959-1963) nämlich nahm die akademische Lehrtätigkeit des katholischen Oberhirten ihren Anfang. Damals noch Theologieprofessor feierte Josef Ratzinger im Bonner Münster regelmäßig die heilige Messe am Verkündigungs- und Johannes-Altar im Bonner Münster.
Nach wie vor wirken einige seiner damaligen Studenten in Pfarreien der Stadt und ihrem Umland; über Besuche im Vatikan und eine rege Korrespondenz pflegen sie einen regelmäßigen Kontakt mit Benedikt XIV., den sie als begeisterten und begeisternden Lehrer in Erinnerung haben.
Enge Bindungen zwischen dem Münster und dem Vatikan Dass auch der Papst sich gerne an seine Zeit in Bonn erinnert, wo er im Collegium Albertinum und in der Wurzerstraße in Plittersdorf wohnte, wurde 2007 offenkundig. Eigens zu seinem Geburtstag reiste eine Bonner Delegation unter Leitung von Stadtdechant und Münster-Pfarrer Msgr. Wilfried Schumacher und die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann nach Rom, um dem Pontifex die wohl längste Glückwunschkarte der Welt zu überreichen. Das Deckblatt mit Bildern seiner Bonner Stationen kommentierte er mit den Worten: "Es war eine wunderbare Zeit." Auf der Karte hatten mehrere tausend Bonnerinnen und Bonner ihre Wünsche für den Papst niedergeschrieben und Erinnerungsfotos beigefügt; insgesamt ergab das 650 Blätter umfassende Schreiben eine Länge von 135 Metern und war damit länger als der Petersdom hoch ist.
Auch Erzbischof Giovanni Kardinal Lajolo, der ehemalige päpstliche Nuntius in Deutschland, empfing die Bonner 2007 und zuletzt 2011 zu einem persönlichen Gespräch; Bonn war sechs Jahre lang seine Wirkungsstätte gewesen, und er hatte ebenso zahlreiche Messen im Münster gefeiert, an die er sich immer gerne erinnert.
Aber schon zu Zeiten des Cassius-Stiftes unterhielten die Bonner Pröpste eine stetige Korrespondenz und gute Kontakte nach Rom. Davon zeugen eine Reihe von Päpstlichen Bullen, wovon eine sogar der Bonner Propstei den Vorrang vor allen anderen Stiften im Erzbistum Köln zusprach.
Basilika Minor seit 1956 Geht man bis in die 1950er Jahre zurück, ist der Pfingstsonntag 1956 als besonders festlicher Tag in den Annalen des Bonner Münsters verzeichnet: An diesem Tag feierte der Apostolische Nuntius Erzbischof Aloysius Münch mit den Bonnern die Erhebung ihres zentralen Gotteshauses zur „Päpstlichen Basilika minor“.
Unterhalb der Erzbasiliken (basilica maior) sind vom Apostolischen Stuhl herausragende Gotteshäuser mit dem Titel Basilika (=basilica minor = kleine/niedere Basilika) ausgezeichnet worden, zunächst nur in Rom, dann in Italien und schließlich in der ganzen Welt. Waren solche Erhebungen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch selten, so wurden im 20. Jahrhundert immer öfter ehrwürdige Gotteshäuser zu Basiliken erhoben.
Sinn dieser Erhebung ist, die enge Verbundenheit des Papstes mit den Ortskirchen, die am deutlichsten durch die Bischofskirchen sichtbar wird, auch durch die Basilicae Minores zu bekunden und beim Volk Gottes beliebte und viel besuchte Zentren des geistlichen Lebens zu würdigen. 1897 wurde erstmals eine deutsche Kirche zur päpstlichen Basilika erhoben: Vierzehnheiligen.
Oft war der Apostolische Nuntius, der seinen Sitz von 1951 bis 2001 in Bonn hatte zu den Hochfesten im Bonner Münster zu Gast oder feierte selbst den Gottesdienst. Als die Nuntiatur nach Wechsel des Regierungssitzes nach Berlin zog nahm man Reliquien der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius mit an die Spree, wo sie in den Altar in der neuen Nuntiatur eingelassen wurden.
Papst-Relief in der Krypta Welche Bedeutung die Nuntiatur dem Bonner Münster beimisst, wurde zuletzt in diesem Jahr deutlich. Anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai (auch er übrigens hat Bonn bei seinem Deutschland-Besuch 1980 einen zunächst gar nicht geplanten Abstecher abgestattet und am Schrein der Stadtpatrone Cassius und Florentius gebetet) hatte Münster-Pfarrer und Stadtdechant Schumacher ein Relief in Auftrag gegeben – zu dessen Enthüllung und feierlicher Einsegnung reiste Erzbischof Dr. Jean-Claude Pérriset, der amtierende Apostolische Nuntius in Deutschland, eigens von der Spree an den Rhein.
(Aus: Papst Benedikt XVI. / Ratzinger, Josef: "Aus Meinem Leben: Erinnerungen (1927-1977)". 1998 München)
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