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07.08.2011 | Bonner Münster
Kirchenmusiker und Priester aus Leidenschaft
Zum 70. Geburtstag von Msgr. Professor Dr. Wolfgang Bretschneider
Seine Leidenschaft ist ansteckend, sein Beruf ist ihm zugleich Berufung: Mit 70 Jahren ist es für den Kirchenmusiker und Priester Monsignore Professor Dr. Wolfgang Bretschneider noch immer das schönste Geschenk, die Liebe zu Gott und seinen Glauben am Altar und an der Orgel feiern und den Menschen näher bringen zu können. Im In- und Ausland hat sich der Bonner Kirchenmusiker höchstes Renommé erworben und als Lehrbeauftragter und Professor nicht nur angehende Priester und Kirchenmusiker an seiner Faszination für die Sakralmusik teilhaben lassen. Die Deutsche Bischofskonferenz weiß seinen Rat und seine Mitwirkung bei der Erarbeitung des neuen ‚Gotteslobs‘ zu schätzen (Gebet- und Gesangbuch der katholischen Kirche). Seine Verdienste um die Sakralmusik wurden 2003 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt. Als Organist und Experte für Liturgie und Geschichte der Kirchenmusik fand und findet Bretschneider große Beachtung über deutsche Grenzen hinaus, seine Wurzeln aber spürt der nun 70-Jährige vor allem an einem Ort – dem Bonner Münster, dem er seit frühester Jugend eng verbunden ist.
Dem Bonner Münster eng verbunden
„Gerade mal knapp bis an die Pedale“ reichten die Füße des 13-Jährigen, als er sich 1954 zum ersten Mal an die große Orgel in der Basilika setzen durfte und Unterricht vom damaligen Münster-Organisten Hubert Brings erhielt. Das erste Hochamt als „wahnsinnig aufgeregter, natürlich aber unendlich stolzer“ Organist mit der ‚Festmesse in D‘ von Heinrich Weber und dem Münster-Chor folgte schon wenige Monate später und daraus entwickelte sich eine lebenslange Liebe: „Über die Orgel wurde der Kirchenraum zu meinem zweiten Zuhause und fand ich zur Liturgie“, so Bretschneider rückblickend: Schon mit 15 Jahren habe sein Entschluss festgestanden, Priester zu werden und dies in der Kombination mit der Kirchenmusik. So habe er seine Nachmittage lieber an der Orgel als auf dem Fußballplatz verbracht. Rückenstärkung erhielt der jugendliche Organist dabei nicht zuletzt von seiner Mutter, die ihm nicht nur den Unterricht bei Hubert Brings vermittelt hatte, sondern auch für die nötige „Erdung“ sorgte – mit der Verpflichtung etwa, das eigene Zimmer in Ordnung zu halten und als angehender Abiturient (als einziger männlicher Teilnehmer neben 19 Frauen) einen Kochkurs zu absolvieren, um sich als Priester später selbst versorgen zu können. „Zu Beginn der 1960er Jahre noch eine ganz aparte Situation“, schmunzelt Bretschneider. Von 1961 bis 1965 studierte der junge Organist in Bonn Philosophie, Theologie und Musikwissenschaft, unter anderem bei Josef Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., an dessen Vorlesungen er sich heute noch gerne erinnert: „Ratzingers Sprache, seine Systematik und seine Gedankengänge, seine Art, sich auf die Vorlesungen vorzubereiten – für uns junge Studenten war das eine ,Befreiungstheologie‘, die uns unendlich viel geistiges Futter bot“.
Musik und Priestertum als Einheit
Seine musikalische Prägung hatte der Jesuiten-Schüler zuvor schon durch seine Lehrer Hubert Brings (Münster-Organist, Bonn) und dem späteren Münchener Dom-Organisten Franz Lehrndorfer erfahren, aber auch durch den intensiven Kontakt mit der französischen Kirchenmusik vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts, die ihn „elektrisierte“ und ihm „bis dahin nie gekannte Ausdrucksmöglichkeiten aufzeigte“. Genauso wie die Musik wurde für Bretschneider die Liturgie eine Möglichkeit, den eigenen Glauben an den lebendigen, aber immer auch geheimnisvollen Gott aus vollem Herzen zu feiern. „Musik und Priestertum sind für mich eine Einheit, die ich nicht trennen kann und nicht trennen will“, sagt Bretschneider, „für mich ist die Musik ein ideales Medium, Menschen näher zu kommen. Über sie erreichen wir die Herzen vieler, die wir im Gottesdienst oft nicht mehr sehen. Und gerade mit einer Musik, die sich aus geistigen und geistlichen Quellen speist, kann ich unendlich viel vermitteln, kann trösten und verkünden, was ich in Worten kaum auszudrücken vermag – und letztlich ist die Musik damit nicht nur ein Brückenschlag zu den Menschen, sondern auch zu Gott“. Immer wieder neue Wege und unverbrauchte Worte für die Botschaft Christi zu finden war auch für den Hochschullehrer Bretschneider eine Herausforderung. An der Musikhochschule Düsseldorf, an der er seit 1987 unterrichtete, waren es vor allem junge, ungetaufte Menschen aus der ehemaligen DDR, denen er einen Zugang zur christlichen Musik zu verschaffen suchte. Bei ihnen musste er immer wieder „gleichsam bei null anfangen“ – es war eine Zeit, an die er sich als die „wohl lehrreichste persönliche Erfahrung“ erinnert. Menschen da abzuholen, wo sie stehen – mit diesem Gedanken fühlt sich der engagierte Musiker an der Bonner Münster-Basilika und dem dort entwickelten Konzept der ,Citypastoral‘ bestens aufgehoben. Mit der großen Klais-Orgel, deren Entstehung und Bau er vor 50 Jahren miterlebte, verbindet er überdies viele ganz persönliche Begegnungen und intensive Gespräche wie etwa jene mit dem damaligen Stadtdechanten Walter Jansen. Bei seiner seelsorgerischen Arbeit in der Münster-Kirche habe er immer wieder erfahren dürfen, „mit den Dingen, die mir wichtig sind, auch anderen etwas Gutes tun zu können“, so Bretschneider, „Menschen Perspektiven aufzeigen, Hoffnung geben und Mut machen zum Leben, wie es Christus vorgelebt hat“. Seit mehr als 25 Jahren leitet Bretschneider die Bonner Münster-Schola. Bei den großen Hochämtern unterstützt er den Münster-Kantor Markus Karas und begleitet die Chöre an der Orgel.
Unendliches Geheimnis und Faszinosum
Sich in diesem Tun immer wieder auf den Prüfstand stellen zu lassen empfindet der 70-Jährige mehr denn je als spannende und willkommene Herausforderung; wie in seinem Wirken als Hochschullehrer und bei der Priesterausbildung stehe auch bei seiner seelsorgerischen Tätigkeit immer im Mittelpunkt, theologische Inhalte in die heutige Zeit zu übersetzen: „Ich kann Menschen nichts einreden und sie nicht überreden, aber ich kann ihnen beistehen und sie durch mein Tun zu überzeugen suchen, dass es jemanden gibt, der sie hält und zu ihnen steht, bei dem sie sich geborgen fühlen können“, beschreibt Bretschneider. „Die nie versiegende Faszination von Gott als einem unendlichen Geheimnis an andere weiter zu geben, gleichsam ein Spiegel zu sein, ist mit die schönste Berufung und bis heute beglückend. Auch nach so vielen Jahren bereitet es mir unendlich viel Freude, immer wieder in diesen Dienst genommen zu werden“. Gleichwohl wird der 70. Geburtstag für den Priester und Musiker so etwas wie „eine kleine Zäsur“ sein – aus Altergründen wird er seine Lehrtätigkeit am Priesterseminar aufgeben. Angst vor leeren Spalten im Terminkalender hat er dennoch nicht; sich vollständig zur Ruhe zu setzen, erscheint ihm „eher als Strafe“, räumt Bretschneider ein – die Musik, die Liturgie und die Theologie werden sein Leben auch weiterhin bestimmen, sein Engagement und seine Leidenschaft wohl kaum nachlassen: „Wenn Kirche auch in der heutigen Zeit eine Zukunft haben will, muss sie glaubwürdig sein, sie muss nicht die große Perfektion, wohl aber Ehrlichkeit und menschliche Wärme vermitteln“. In diesem Sinne „kann und muss sie auch missionarisch sein“, sagt Bretschneider: „Ich kann andere nur begeistern, wenn ich selbst begeistert bin“.
Zum 70. für das 70. Register
Wolfgang Bretschneider wünscht sich zum Jubeltag, für den er sich eine kleine Auszeit gönnt, und für seinen weiteren Lebensweg Gesundheit und Frohsinn. „Eindrucksvolle Begegnungen mit Gott und den Menschen, sind mir die liebsten Geschenke.“ Wer darüber hinaus etwas gute tun möchte, kann zum 70. Geburtstag für das 70. Register der Münster-Orgel spenden. Diese Orgel sei in sich ein wunderbarer Klangkörper, doch ein Glockenspiel wäre die Krönung für diese Königin der Instrumente. Spenden nimmt die Bonner Münster-Stiftung (Verwendung: 70. Register, Konto 53111, BLZ 37060193, Paxbank eG Köln. bonner-muenster-stiftung.de) gerne entgegen.
Zur Person: Theologe und Musikwissenschaftler
Am 7. August 1941 in Dortmund geboren, studierte Wolfgang Bretschneider katholische Theologie, Philosophie, Musikwissenschaft und Pädagogik in Bonn und München und absolvierte Orgelstudien bei Franz Lehrndorfer, Jean Langlais und Guy Bovet. Am 27. Januar 1967 empfing er durch Josef Kardinal Frings im Kölner Dom die Priesterweihe, 1969 bis 1997 wirkte er als Repetent am Erzbischöflichen Collegium Albertinum in Bonn, der Ausbildungsstätte angehender Priester. Bretschneider promovierte mit einer hymnologischen Arbeit über das Kirchenlied der Aufklärungszeit und lehrte seit 1984/87 als Professor für Liturgik und Kirchenmusik an den Kirchenmusikhochschulen Düsseldorf und Köln sowie seit 1977 am Pastoralseminar des Erzbistums Köln. Wolfgang Bretschneider ist Subsidiar am Bonner Münster. Seit mehr als 25 Jahren leitet er die Münster-Schola (Gemischter Chor) und begleitet bei den großen Hochämtern den Bonner Münster-Chor an der Orgel; bei seinen Orgelkonzerten im In- und Ausland, die ihn weit über die Grenzen Bonns hinaus bekannt machten, setzt er einen Schwerpunkt auf die französische Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts. Bei zahlreichen Gottestdienst-Übertragungen im Rundfunk und im Fernsehen hat er die Orgel gespielt. Seit 1989 ist Wolfgang Bretschneider Präsident des Allgemeinen Cäcilienverbandes für Deutschland, dem Dachverband der katholischen Kirchmusik, und bemüht sich besonders intensiv um kirchenmusikalische Kontakte zu den katholischen Kirchen in den osteuropäischen Ländern. Seit 1984 ist er Berater der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz. Zudem ist Bretschneider Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Mitarbeiter in zahlreichen nationalen und internationalen Kommissionen. Dank seines Engagements hat die Kirchenmusik in Deutschland und international große Förderung erfahren; Bretschneider selbst wurde 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und trägt seit 1982 den päpstlichen Ehrentitel „Kaplan seiner Heiligkeit“ (Monsignore). Neben zahlreichen Konzerten im In- und Ausland – unter anderem in den USA und auf den Philippinen - und mehreren CD-Produktionen hat Wolfgang Bretschneider das gesamte Orgelwerk von Joseph Gabriel Rheinberger herausgegeben sowie zwölf Sammelbände mit Orgelwerken aus verschiedenen Jahrhunderten für Gottesdienste und Konzerte. Eine Auswahl von Bretschneiders Werken ist im Bonner Münster-Laden erhältlich.
Münster-Laden, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.30 Uhr, Samstag 10.00 bis 16.00 Uhr Gerhard-von Are-Straße 1, 53111 Bonn, www.muensterladen.de |
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