kath-bonn.de

Die katholische Kirche in Bonn

Startseite | Stadtdekanat | Bonner Münster | Erzbistum Köln

Pressestelle & Medienportal

Startseite | Meldungen | Fotos | Verweise | Akkreditierung | Kontakt | facebook | YouTube

Citypastoral

Seelsorge mitten im Bonner Leben


Bonner Münster

Citykirche & Europäisches Monument

 

27.05.2011 | Bonner Münster

 

Historisches Schatzkästlein

 

Reale und Virtuelle Eröffnung des Stifts- und Münster-Archivs

Das lässt nicht nur Historikerherzen höher schlagen: Ein wichtiger Teil der Bonner Stadtgeschichte wurde in den vergangenen Wochen buchstäblich aus der Versenkung geholt. Mit der Wiedereröffnung des Stifts- und Münster-Archivs in der Rathausgasse ist das geschriebene Gedächtnis des mittelalterlichen Cassius-Stiftes, der Münster-Pfarre und der ehemaligen Pfarrei St. Remigius seit Mittwoch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Archiv gilt – neben den Beständen des Erzbistums Köln – als eines der größten und wichtigsten Kirchenarchive im gesamten Rheinland. Die neueste Errungenschaft für das Vergangene: Die Findbücher sind nun auch im Internet zugänglich.

 

„Archive sind nicht einfach nur Regalreihen voller Akten, Schränke mit Mappen und Fotos, Filme, Dokumente, Urkunden und Manuskripte – Archive sind Schatztruhen“, erklärte Stadtdechant und Münster-Pfarrer Msgr. Wilfried Schumacher am Mittwoch anlässlich der Einweihung. Oft werde übersehen, welche Bedeutung das Cassius-Stift und das Münster für die Stadtentwicklung gehabt hätten, so Schumacher, der die Archivalien in der Rathausgasse als „Schatz in unserer Region“ würdigte.

 

Ein solche historische Kostbarkeit etwa, die es erst noch zu entdecken gilt, ist ein Protokollband des Bonner Archidiakons aus dem Jahr 1600 – der älteste seiner Art und zudem ein Dokument, das bislang noch nie wissenschaftlich erforscht wurde. Dabei lassen Messbücher, Chorgesänge, liturgische Handschriften, Urkunden und penibel geführte Register nicht nur das kirchliche Leben vergangener Jahrhunderte lebendig werden; sie sind wie die aus dem 16. Jahrhundert stammende Abschriftensammlung (Kopiar) des Cassius-Stiftes, in dem der Verkauf des Bonner Kottenforstes durch den Abt von Siegburg mit Brief und Siegel festgehalten ist, auch wichtige Zeugnisse der Sozialgeschichte. Die Kirchenbücher der Pfarrei St. Martin etwa erinnern an die jüngere deutsche Geschichte – in ihren Einträgen aus den Jahren 1936 bis 1944 sind Ereignisse aus dem Gemeindeleben ebenso verzeichnet wie die mit dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges immer häufiger werdenden Bombenalarme.

 

Der Wiedereröffnung des Archivs in der Rathausgasse 11 gingen intensive Planungen und umfangreiche Baumaßnahmen voraus: Im Herbst 2008 musste das Archiv im Zuge kirchlicher Sparmaßnahmen seinen Standort in der Fritz-Tillmann-Straße verlassen und wurde bei „history today“ zwischengelagert, einem auf Geschichtsforschung und Archivierung spezialisierten Kölner Unternehmen, dessen Mitarbeiter die Sichtung und Aufbereitung des Materials vornahmen. Dabei galt es, die so genannten Findbücher auf den neusten Stand zu bringen, weit mehr als 2.000 Akten aus den vergangenen 30 Jahren ganz neu aufzunehmen und insgesamt 720.000 Seiten zu „durchforsten“.

 

Seine endgültige Bleibe fand das Archiv jetzt in einem pfarreigenen Gebäude in der Rathausgasse 11, wo allein für die modernen, insgesamt rund 20 Tonnen Papier fassenden Rollregale eine aufwändige Stützkonstruktion im Keller eingezogen werden musste. Zuschüsse für den 152.000 Euro teuren Umzug des Archivs kamen vom Erzbistum Köln und dem Landschaftsverband Rheinland, aus eigener Kasse steuerte die Münster-Gemeinde 70.000 Euro bei. „Eine Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 Prozent und schwankende Temperaturen könnten den wertvollen Archivalien schaden, für ein zuträgliches Raumklima aber ist gesorgt“, versicherte Archivarin Regina Schürholt.

 

Während das Archiv real Wiedereröffnet wurde, erfreut es sich gleichzeitig einer virtuellen Neueröffnung im Internet. Im Internet-Portal des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen "Archive in NRW" ist das Archiv des Münsters das erste und bislang einzige Pfarrarchiv. Sukzessive werden die Findbücher eingearbeitet und können somit in Kürze weltweit eingesehen werden.

 

Die neue Unterbringung beeindruckte auch Dr. Ulrich Helbach, den Direktor des Historischen Archivs des Erzbistums, der bei der Feierstunde am Mittwoch gern einen genaueren Blick in den Fundus warf. „Wenn eine Pfarrei ihr Archiv in so vorzüglicher Weise wieder öffnet, in tollen Räumen, qualitativ höherwertig als früher, wenn sie ihre wertvollen und prächtigen Archivbestände in Findbüchern verzeichnen lässt und eine Historikerin als Betreuerin des Archivs engagiert, dann darf man dieses Archiv als Leuchtturm für die große Zahl der örtlichen kirchlichen Archive bezeichnen“, erklärte Helbach. Die geplante Aufnahme der Bestände in die digitale Datenbank aller nordrhein-westfälischen Archive mache Bonn „zu einer noch lebendigeren Forschungslandschaft“ als die Stadt bislang schon sei und komme allen Bürgern zugute.


Pressefotos

  • Dr. Ulrich Helbach, Msgr. Wilfried Schumacher, Regina Schürholt

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Bonner Münster | Rechtliches | Impressum | Kontakt

Letzte Aktualisierung: 13.05.2012