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03.04.2011 | Stadtdekanat Bonn

 

Zeit nehmen und Raum geben zum Gespräch

 

Kundgebung von Bonner Katholiken vor dem Münster

Stadtdechant appelliert an Dialogbereitschaft aller Beteiligten

 

 

Als „Bekenntnis, dass Ihnen die Kirche nicht egal, sondern wichtig und wert ist, sogar für sie auf die Straße zu gehen“, wertete der Bonner Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher die Kundgebung, zu der mehrere katholische Initiativen am 1. April vor dem Bonner Münster aufgerufen hatten. „Die Kirche muss zu einem Dialog mit der Welt kommen, in der sie nun einmal lebt. Die Kirche macht sich selbst zum Wort, zur Botschaft, zum Dialog“, zitierte Schumacher in seiner Ansprache aus der ersten Enzyklika  von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1964.

 

Mehr als 75 Teilnehmer folgten der bei der Kundgebung ausgesprochenen Einladung zum Gespräch im Münster-Carré. Außer Gemeindemitgliedern der direkt betroffenen Gemeinden (am Ennert und in Bad Godesberg) waren auch Vertreter aus vielen anderen Bonner Pfarreien gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden und auf eigene Ängste und Gefahren hinzuweisen. Alle Teilnehmer wurden aufgefordert ihre Verletzungen, Wünsche sowie konkrete Vorschläge zur Behebung der Probleme schriftlich zu formulieren. Diese wurden alle gesammelt und teilweise auch direkt geäußert. Eine Zusammenfassung dieser „Stimmen“ wird erstellt und zeitnah auf der Homepage des Katholikenrates veröffentlicht. Auf Vorschlag von Msgr. Schumacher wurde vereinbart, dass die Steuerungsgruppe des Runden Tisches, der Vorstand des Bonner Katholikenrates und Vertreter der Pfarrgemeinden in den nächsten Wochen gemeinsam mit Vertretern des Erzbistums einen „Fahrplan“ erarbeiten sollen, wie der Dialog zwischen „Amtskirche“ und Laienvertretern konstruktiv gestaltet werden kann.

 

Auf allen Seiten habe es in den vergangenen Wochen Verwundungen gegeben, doch dürfe die aus dem Gefühl der Liebe für die Kirche entstehende Verbundenheit und Gemeinsamkeit in allen Konflikten nicht außer Acht gelassen werden, betonte der Stadtdechant. Schumacher bezog sich in seiner Ansprache auf einen Brief der Deutschen Bischöfe an die Gemeinden vom 17. März 2011, in dem diese die Gefahr beschrieben, „dass wir uns in unserer Kirche so zerstreiten, dass Brücken abgebrochen und bestehende Einheit aufgegeben werden“, hob jedoch auch die Gesprächsbereitschaft des Erzbistums hervor.

 

Der für die Bonner Seelsorgebereiche zuständige Weihbischof Heiner Koch hatte am Vorabend der Kundgebung in einem Brief an die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte seine Bereitschaft betont, niemanden von Gesprächen ausschließen und diese „in Offenheit und Augenhöhe“ führen zu wollen. Bis zu dem von ihm vorgeschlagenen Termin am 11. Mai 2011, appellierte Msgr. Schumacher an alle Beteiligten, sich mit öffentlichen Erklärungen zurückzuhalten, um diesen Dialog nicht zu erschweren.

 

An der von Gebeten und Liedern begleiteten Kundgebung vor dem Münster hatten sich mehrere hundert Mitglieder katholischer Laienorganisationen aus dem gesamten Bonner Stadtgebiet beteiligt; die Einladung erfolgte durch die Initiativen „Katholiken-am-Ennert", „Katholiken-im-Burgviertel" und „Auch-wir-sind- Gemeinde“.

 

Ihm gehe es darum, einen Raum zu schaffen, in dem die unterschiedlichen Perspektiven auf die Konflikte benannt werden können, erklärte Schumacher im Gespräch mit den Laieninitiativen und äußerte zugleich wie schon in seiner Einladung zum Runden Tisch Verständnis für beide Seiten - für die betroffenen Gemeinden, die sich zum Teil nicht ernst genommen oder missverstanden fühlten, und für den Erzbischof, der große Sorgen habe, wie die Kirche bei einer immer knapperen Personaldecke handlungsfähig bleibe.

 

Probleme vor Ort stellte auch der Moderator des Gesprächs, Burkhard Severin, in einen größeren Zusammenhang: „Es geht um Themen, die die Kirche insgesamt bewegen, nicht zuletzt eben um das Verhältnis zwischen den Laien und den Bistümern.“ Auch Severin mahnte einen offenen Dialog an, in dem „jede Perspektive wichtig, aber keine absolut“ sei. Ziel der bevorstehenden Gespräche mit Vertretern des Erzbistums müsse sein, Gefühlen Raum geben und diese loslassen zu können. Offenheit, Respekt, Verständnis und Wahrhaftigkeit waren auch die zentralen Anliegen der Laienorganisationen – es könne nicht sein, dass diese als Befehlsempfänger betrachtet werden, sondern es gehe um eine klare Mitverantwortung der Laien, einen verlässlichen Umgang miteinander und darum, dass die „Amtskirche“ auf die Menschen zugehe, die sich für sie engagieren, einen Dialog, der mit ernsthaftem Zuhören beginne.

 

 


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Letzte Aktualisierung: 13.05.2012