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Die Predigt hält
am ersten Fastensonntag immer der Erzbischof mit seinem Hirtenwort; deshalb
zu Beginn diese Einführung:
Ich muss gestehen,
zu den faszinierenden Erlebnissen einer Israel-Reise zählt für mich immer in
die Exkursion mit dem Jeep in die Wüste Negev. Andere, die sich tagelang in
einer Wüste aufgehalten haben, erzählen von ähnlicher Faszination.
Der Bericht des
heutigen Evangeliums vom Aufenthalt Jesu in der Wüste erzählt aber nicht von
einem touristischen Highlight, sondern von existentiellen Stunden vor seinem
öffentlichen Auftreten.
Der Geist führt
ihn in die Wüste und der Teufel führt ihn dort in Versuchung. Folgt er den
Versuchungen, will er sich einen Namen machen, sich einrichten in dieser
Welt, auf Geld und Reichtum setzen oder folgt er gehorsam dem Willen des
Vaters?
Das ist wahrlich
keine Exkursion in die Wüste mit Verpflegung im Beduinenzelt, d.h. ist
Erfahrung der eigenen Grenzen und des Umgangs damit.
Wüste ist hier
mehr als eine geologische Formation. Wüste wird hier zu einem Synonym für
die Grenzerfahrungen des Lebens.
Schauen Sie jetzt
auf unser Fastentuch:
Es zeigt 12
Leidensbilder, Bilder von Grenzerfahrungen im menschlichen Leben.
Wir sehen
von Krankheit
Gezeichnete und vom Alter Geplagte,
von
Katastrophen Heimgesuchte und von Hunger Gequälte,
wir sehen
Menschen in Beziehungskrisen,
genau wie den
Soldaten, der in den Krieg geschickt wurde,
die
alleinerziehende Mutter und den Obdachlosen,
den
Drogenabhängigen, der sich eine Spritze setzt und den Gefangenen, der an
Gittern rüttelt,
und den
Menschen in tiefer Depression.
Die Sorge, die
Alfred Delp, ein Märtyrer aus der nationalsozialistischen Zeit, in seiner
Todeszelle niedergeschrieben hat: „Herr, ich weiß, es steht schlimm um mein
Leben, wenn ich die Wüste nicht bestehe“ ist auch die Angst all dieser
Menschen, ist auch ihr Schrei in der Wüste ihres Lebens.
Er würde verhallen
ohne gehört zu werden, gäbe es da nicht der Mitte das Bild eines anderen
Leidenden, der in der Wüste und in der Stunde des größten Leids auf Gott
gesetzt hat.
Wir sehen das
Schweißtuch der Veronika, eine Vergrößerung des Freskos, das im Jahre 1320
als Teil der gotischen Ausmalung unserer Basilika im südlichen Querschiff
gemalt wurde.
Dahinter steht
eine Legende: Eine Frau mit Namen Veronika soll Jesus auf seinem Weg zur
Kreuzigung ein Tuch gereicht haben, mit dem er sich den blutigen Schweiß
abwischen konnte. Im Tuch blieb sein Antlitz zurück.
Natürlich wissen
wir, es gibt kein Bild von Jesus. Das Fresko ist genau wie jede andere
Darstellung die Aussage eines Künstlers, hier gewiss eines glaubenden
Menschen.
Die gelbe Farbe
des Tuches erinnert mich heute an den Sand und Staub der Wüste, in den das
Antlitz Jesu wie eingraviert wirkt – versehen mit einer tröstlichen
Botschaft:
Es gibt keine
Wüste in dieser Welt, in der ich nicht mit Dir unterwegs bin, sagt der Herr
uns Betrachtern.
Seit Jesu Tod am
Kreuz steht Gott auf der Seite der Leidenden. Sein ohnmächtiges Mit.LEIDEN
ist seine Antwort auf unser Leid. Es gibt auf diesem Tuch auch einige
Leerstellen. Hier hat Ihr persönliches Leid Platz oder das Leid der
Menschen, die nicht auf dem Tuch vertreten sind.
mit.LEIDEN.schaft
haben wir diese Wochen überschrieben. Hinter der grafischen Anordnung
verbirgt sich ein Wortspiel, das verschiedene Aspekte des Leids wiedergibt:
leiden – mitleiden – Leidenschaft, Leid zu lindern – Mitleid.
Ich lade sie
herzlich ein auf den Weg durch diese Heilige Zeit. |