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Beim Labyrinth denken viele an einen sogenannten „Irrgarten“
wie etwa im Gebäude des Königs Minos von Knossós auf Kreta. Aus dessen
verschlungenen Gängen fand niemand heraus. So wurde man zum Opfer des
gefährlichen Minotauros. Mit Hilfe des Ariadnefadens konnte Theseus den Weg
heraus finden. Dort ist das Labyrinth ein „Irrgarten“.
Älter dagegen sind die unverzweigten Labyrinthe. Sie sind
ohne Kreuzungen. Es gibt keine Sackgassen, nur einen Weg, der in die Mitte
führt. Wer ihn geht, glaubt manchmal, die Mitte erreicht zu haben, und
gleich darauf sieht es so aus, als stände man erneut am Anfang. Es ist ein
Gehen und Suchen, ein Suchen und Gehen - oft über Jahre. Wer nicht aufgibt,
kommt zur Mitte. Hier muss der Besucher seine Richtung ändern und sich
selbst verändern. Die Umkehr im Zentrum ist Tod und Wiedergeburt zugleich.
Sonst gibt es keinen Weg zurück. So wird das Labyrinth zum Symbol für den
Lebensweg des Menschen.
Wer ein Labyrinth begeht,
weiß selten, wo sein Fuß grad steht.
Doch wie auch greifen aus die Schritte,
stets kreisen sie um eine Mitte.
Wer dorthin kommt, der findet sich;
der ist vereint mit Gott und sich.
Im Labyrinth verliert man sich nicht
Im Labyrinth findet man sich
Im Labyrinth begegnet man nicht dem Minotaurus
Im Labyrinth begegnet man sich selbst.
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