22. März 2008

 

Samstag

der Karwoche

 

 

 

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Steinsarg des Franziskus in der Krypta von San Francesco. Fotograf: P. Gerhard Ruf OFM Conv. © assisi.de

 

 

 

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Der Karsamstag ist der Tag „dazwischen“. Heute gilt es, nicht in den Festvorbereitungen aufzugehen, sondern sich etwas Zeit zu bewahren, um dieses „Dazwischen“ auszuhalten.

Die Erfahrung der Leere, die Erfahrung der Zeit in der es keinen Gott zu geben scheint, Erfahrung des Totseins des Sohnes Gottes, es ist die Erfahrung des Karsamstags: Ich rufe nach Gott, niemand antwortet mir. In eindrucksvoller Weise hat die Kirche die Erfahrung der Zeit nach dem Tod des Sohnes Gottes am Kreuz, die Zeit nach dem Karfreitag, im Karsamstag verdichtet. Es ist der Tag der Schmucklosigkeit und der Entblößung. So ausführlich die Evangelien das Leiden Jesu bis zu seinem Tod und Begräbnis schildern, so schweigsam werden sie für die Zeit zwischen Grablegung und Auferstehung. Was soll man in dieses Schweigen, in das Nichts dieses Tages auch noch hinein sagen. Es ist der Tag der Wortlosigkeit: alle Wörter sind abgegriffen und können nicht helfen, das Wort des Vaters ist verstummt. Am Karsamstag scheint die ganze Lebensdimension, die sich mit der Liebe Jesu bis zum Tode am Kreuz zu öffnen schien, wieder zusammengebrochen und verschlossen. Der Karsamstag ist der Tag des Nullpunkts. […]

Christus hat das Tor unserer letzten Einsamkeit durchschritten, er ist eingetreten in diesen totalen Abgrund unseres Verlassen- seins. Hinabgestiegen in die Hölle. Es klingt paradox, ja es ist paradox, aber es ist doch eine Wirklichkeit: Wo uns keine Stimme mehr erreichen kann, wo kein Mitsein mehr ist, wo nur noch Leere ist, wo nur noch Nicht-Gott-Sein ist, da ist seit Karsamstag ER, Gott: mitten im Tod ist Leben, mitten in der Verlassenheit Liebe. Das Sterben ist kein Weg mehr in die eisige Einsamkeit, die Pforten der Hölle sind geöffnet, wie es im Matthäus-Evangelium heißt: „Die Gräber öffneten sich" (Mt 27,52). […]

Seitdem gibt es das Heil im Unheil, das Wort im Schweigen, das Licht in der tiefsten Dunkelheit, die Liebe in der radikalsten Einsamkeit, das Leben im Tod. […]

Im Karsamstag fallen Karfreitag und Ostersonntag gleichsam zusammen. Beide Wirklichkeiten sind voll da, präsent. Diese unendliche Spannung gilt es am Karsamstag auszuhalten, weil beides wahr ist, die Erfahrung der radikalen Einsamkeit und Verlassenheit und die Wirklichkeit der Nähe Gottes mitten in dieser Gottlosigkeit des Todes.

Weihbischof Dr. Heiner Koch

 

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