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Die Sonntage der Fastenzeit sind als Gedächtnistage der
Auferstehung Jesu vom Fasten ausgenommen. Aber dieser Sonntag ist etwas
Besonderes, heute beginnt die Heilige Woche. Deshalb gibt es heute im
Unterschied zu den vergangenen Sonntagen auch ein Bild zur Betrachtung.
Ein Bild von Pietro Lorenzetti im Südquerhaus der Unterkirche
von San Francesco: Farbenfroh erzählt der Sieneser Maler im Stile der Gotik
(1320) das Ereignis vom Einzug in Jerusalem. Ich sehe Jesus im Zentrum und
hinter ihm seine Jünger. Bis auf den Verräter Judas tragen alle einen
Heiligenschein. Fragend schaut Petrus hinüber zu Judas. Ahnt er schon etwas?
Rechts kommt das Volk aus dem Stadttor Jesus entgegen. Nicht alle rufen
„Hosianna“. Einige dunkle Mienen lassen Böses erahnen.
Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte
und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte
zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine
Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und
bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der
Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.
Mt 21, 1-3
Das wünsche ich mir: vom Herrn gebraucht, aber nicht
verbraucht zu werden.
Wir stehen am Anfang der Karwoche. Wenn wir wirklich
Christen sein wollen, muss, müsste diese Woche eine Zeit sein, in der
wir in besonderer Weise teilnehmen an der Passion Jesu. Dies geschieht
nicht in erster Linie in frommen Gefühlen, sondern in der schlichten,
nüchternen Tapferkeit ohne Aufsehen, mit der wir uns und die Mühsal
unseres Lebens annehmen und durchtragen.
Karl Rahner
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