10. März 2008

 

Montag der

fünften Woche

 

 

 

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Franziskus zähmt den Wolf. Fotograf:  P. Gerhard OFM Conv Ruf, Assisi © assisi.de

 

 

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Auf dem Portal der Unterkirche von San Francesco (1594) sehen wir diese Darstellung. Sie illustriert eine der bekannten Geschichten des Heiligen Franziskus:

Und siehe, angesichts der vielen Menschen, die von erhöhten Orten aus zusahen, rannte der schreckliche Wolf mit offenem Rachen auf den heiligen Franz und seinen Gefährten zu. Der selige Vater aber machte über diesen das Kreuz und die göttliche Kraft, die von ihm wie von seinem Gefährten ausging, zähmte den Wolf: er hielt plötzlich inne, und der schaurig aufgesperrte Rachen schloss sich. Franz rief ihn her und sprach: "Komm zu mir, Bruder Wolf! Im Namen Christi befehle ich dir, weder mir noch sonst jemand ein Leid anzutun!"

Fioretti 21

 

 

Ohne Zweifel

–sine dubio–

sind wir der Wolf von Gubbio.

Wilhelm Willms

 

Der Mensch ist des Menschen Wolf, sagt Thomas Hobbes. Sobald der Mensch den anderen Menschen aus den Augen verliert und nur noch um sich selbst kreist, wenn nur noch der eigene Wille gilt, verwandelt er sich in einen Wolf. Es geht nur noch um ihn, seinen Vorteil, seine Karriere, seinen Besitz, seine Macht.

 

Es gilt den Wolf in sich zu erkennen und zu zähmen – so wie Franziskus es getan hat. Deshalb kann er ohne Angst dem Wolf gegenüber treten. Er schließt Frieden mit ihm und trägt Sorge, dass ihm die Bürger von Gubbio das Lebensnotwendige geben. So können beide überleben.

 

Ich kann heute den Wolf in mir anschauen. Wo geht es mir um meinen Vorteil, meinen Besitz, meine Macht? In dieser Woche will ich lernen, den Wolf in mir zu zähmen.

 

Wenn Sie die ganze Geschichte lesen wollen:

Wie Franziskus den Wolf zähmte

Etwas Wundersames geschah bei der Stadt Gubbio. Da war nämlich zu Lebzeiten des seligen Franziskus in der Umgegend jener Stadt ein Wolf, der war von schreckhafter Größe und in seinem Hunger von grimmiger Wildheit. Er verschlang nicht nur Tiere, sondern auch Männer und Frauen, so dass er alle Bürger ob solcher Plage in Angst versetzte, und alle gingen bewaffnet, wenn sie die Stadtmauern verließen, als gelte es, einen gefährlichen Krieg zu führen.

Trotz alldem konnten sich die Leute der schrecklichen Wut des Wolfes nicht erwehren, wenn einer dem zähnefletschenden unglücklicherweise begegnete. Eine solche Panik hatte alle befallen, dass kaum einer sich sicher fühlte, wenn er aus der Stadt heraus gehen musste.

Gott aber wollte den Bewohnern der Gegend die Heiligkeit des Franziskus kundtun. Da nämlich der selige Vater gerade nach Gubbio kam, empfand er Mitleid mit den Leuten und beschloss, dem Wolf entgegenzutreten. Die Bürger sprachen zu ihm: "Hüte Dich, Bruder Franz, über das Stadttor hinauszugehen: der Wolf, der schon viele gefressen hat, wird dich jämmerlich töten."

Der heilige Franz aber setzte seine Hoffnung auf den Herrn Jesus Christus, der über alles gebietet, und so schritt er, nicht mit Schild und Helm gewappnet, sondern unter dem Schutz des heiligen Kreuzzeichens, mit einem Gefährten vor das Stadttor und ging ohne Furcht dem Wolf entgegen.

Und siehe, angesichts der vielen Menschen, die von erhöhten Orten aus zusahen, rannte der schreckliche Wolf mit offenem Rachen auf den heiligen Franz und seinen Gefährten zu. Der selige Vater aber machte über diesen das Kreuz und die göttliche Kraft, die von ihm wie von seinem Gefährten ausging, zähmte den Wolf: er hielt plötzlich inne, und der schaurig aufgesperrte Rachen schloss sich. Franz rief ihn her und sprach: "Komm zu mir, Bruder Wolf! Im Namen Christi befehle ich dir, weder mir noch sonst jemand ein Leid anzutun!"

Und wunderbar, auf das Kreuzzeichen hin schloss das Untier den wilden Rachen, und wie der Heilige ihm geboten, kam es gesenkten Kopfes heran und legte sich gleich einem Lamme zu seinen Füßen.

Wie er so vor ihm dalag, sprach zu ihm der hl. Franz: "Bruder Wolf, du richtest viel Schaden in dieser Gegend an und hast schlimme Übeltaten verbrochen, da du Gottes Geschöpfe erbarmungslos umgebracht hast. Und nicht nur unvernünftige Tiere tötest du, sondern, was schlimmer ist, du wagst es, Menschen, nach Gottes Bild geschaffen, umzubringen und zu verschlingen! Darum verdienst du, dass man dich als Räuber und bösen Mörder einem schrecklichen Tod überliefert. Alle klagen mit Recht über dich und sind dir böse, und die ganze Gegend ist dir feind. Aber jetzt, Bruder Wolf, will ich zwischen dir und den Leuten Frieden machen. Es darf keinem mehr ein Leid von dir geschehen, und sie sollen dir alle vergangenen Missetaten erlassen, und weder Menschen noch Hunde sollen dich weiter verfolgen."

Da gab der Wolf mit Bewegungen des Schwanzes und der Ohren, mit Gebärden und Kopfnicken zu verstehen, dass er auf den Vorschlag des Heiligen eingehe, worauf dieser, fortfahrend in seiner Rede, beifügte: "Bruder Wolf, weil du damit einverstanden bist, diesen Frieden zu schließen, verspreche ich dir: Ich will dir, solange du lebst, durch die Leute dieser Gegend deine tägliche Kost verschaffen. Du wirst keinen Hunger mehr leiden müssen; denn ich weiß sehr wohl, du tust alles Schlimme nur vom Hunger getrieben. Aber weil ich, mein Bruder Wolf, dir solche Gunst erwirke, musst du mir auch versprechen, dass du nie wieder einem Tier oder einem Menschen ein Leid zufügst. Versprichst du mir das?"

Der Wolf gab durch Kopfnicken deutlich zu erkennen, dass er mit dem vom Heiligen auferlegten einverstanden sei. Darauf sprach der Heilige: "Bruder Wolf, du musst mir ein Pfand geben, dass ich mich auf das, was du versprochen hast, verlassen kann." Und der heilige Franz streckte seine Hand aus, um das Pfand der Treue entgegenzunehmen; und der Wolf hob die rechte Tatze und legte sie zutraulich und sanft in die Hand des heiligen Franz. Damit gab er ihm das Zeichen seiner Treue, so gut er es vermochte.

Zuletzt sprach der Heilige: "Bruder Wolf, ich befehle dir im Namen des Herrn Jesus Christus, komm nun ohne Bangen mit mir zu den Häusern der Menschen, damit wir im Namen des Herrn diesen Frieden besiegeln!" Und der Wolf gehorchte und folgte dem hl. Franz gleich einem sanften Lamme.

Wie das die Leute sahen, waren sie aufs höchste verwundert, und sogleich ging die Neuigkeit durch die ganze Stadt, so dass alle, Männer und Frauen, groß und klein, auf dem Stadtplatz zusammenkamen, wo sich der Heilige mit dem Wolf befand. Vor der zahlreichen Menge des Volkes hielt der heilige Franz eine wundersame Predigt und er schloss: "Höret denn, meine Lieben, dieser Bruder Wolf, der vor euch steht, hat mir versprochen und mir sein Treuepfand gegeben, dass er Frieden mit euch schließen will. Niemandem von euch wird er ferner ein Leides tun, sofern auch ihr im versprecht, für seinen täglichen Unterhalt aufzukommen. Ich verbürge mich für Bruder Wolf, dass er den Friedensvertrag getreulich achten wird."

Da versprachen alle Versammelten mit lautem Zuruf, sie wollten fortan den Wolf ernähren. Und der Wolf lebte noch zwei Jahre und ließ sich von Tür zu Tür die Nahrung geben, ohne jemand ein Leid anzutun; und auch die Leute taten ihm nichts zuleide und fütterten ihn freundlich. Und sonderbar, nie bellte ein Hund gegen ihn.

Schließlich starb Bruder Wolf an Altersschwäche. Die Bürger waren über seinen Tod sehr traurig. Denn wenn er so friedlich und in sanfter Geduld durch die Stadt ging, erinnerte er sie an die wundersame Tugend und Heiligkeit des seligen Franz. - Zu Lob und Ehren des Herrn Jesus Christus.

Fioretti 21

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