06. März 2008

 

Donnerstag der

vierten Woche

 

 

 

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Die erste Krippe in Greccio

Fotograf: Stefan Diller (1985)

© assisi.de

 

 

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Zu Ehren kommt da die Einfalt, die Armut wird erhöht, die Demut gepriesen, und aus Greccio wird gleichsam ein neues Bethlehem. Der Jesusknabe war in vieler Herzen vergessen. Da wurde er in ihnen mit seiner Gnade durch seinen heiligen Diener Franziskus wieder erweckt und zu eifrigem Gedenken eingeprägt.

Weihnachten 1223 im Wald bei Greccio: Franziskus lässt das Geschehen in Bethlehem spielen. Man soll sich eben nicht sattsehen an einer lieblichen Darstellung, sondern die bittere Not des Kindes in der Krippe, seine Demut und Armut mit eigenen Augen sehen.

Die Predigt des Franziskus spricht den Armen aus dem Herzen: „Gott ist immer kleiner, in der Ohnmacht immer noch mächtig, im Tod immer noch lebendig, im Kleinen groß, im Kind der un­begreifliche Gott.“

A. Rotzetter

Das Fresko in der Oberkirche hat als Kulisse nicht den Wald bei Greccio, sondern einen Kirchenraum. Es fällt auf, dass die Chorschranken geöffnet sind: das einfache Volk strömt herein und nimmt teil an dem Geschehen. Es gibt keine Trennung mehr. Keine Zuschauer. Jeder ist beteiligt.

 

Diese Eingebung des hl. Franziskus ist erstaunlich: Die Krippe ist nicht nur ein neues Betlehem, weil sie das dortige geschichtliche Ereignis ins Gedächtnis ruft und dessen Botschaft aktualisiert, sondern auch Anlass zu Trost und Glückseligkeit….In der Krippe wird der Bund zwischen Gott und Mensch, zwischen Erde und Himmel gefeiert. Betlehem, die Stätte der Freude, wird auch zur Schule der Güte, denn dort offenbaren sich die Barmherzigkeit und Liebe, durch die Gott an seine Kinder gebunden ist.

Johannes Paul II.

Heute (nicht nur heute) kann ich leben, was ich in der Schule der Güte „gelernt“ habe.

 

 

Wenn Sie die ganze Geschichte nachlesen wollen:

Sein höchstes Streben, sein vornehmster Wunsch und seine oberste Lebensregel war, das heilige Evangelium in allem und durch alles zu beobachten. Mit aller Wachsamkeit, allem Eifer, der ganzen Sehnsucht seines Geistes und der ganzen Glut seines Herzens suchte er, vollkommen der Lehre unseres Herrn Jesus  Christus zu folgen und seinen Fußspuren"' nachzuwandeln. [...] Vor allem war es die Demut der Menschwerdung Jesu und die durch sein Leiden bewiesene Liebem, die seine Gedanken derart beschäftigten, dass er kaum an etwas anderes denken wollte. - Daher muss man jener Feier gedenken und sie ehrfurchtsvoll erwähnen, die er im dritten Jahr vor seinem glorreichen Hinscheiden bei einem Flecken namens Greccio am Tage der Geburt unseres Herrn Jesus Christus abgehalten hat. In jener Gegend lebte ein Mann mit Namen Johannes, von gutem Ruf, aber noch besserem Lebenswandel. Ihm war der selige Franziskus in besonderer Liebe zugetan, weil er trotz des großen Ruhmes und des Ansehens, das er daheim genoss, den Adel des Fleisches verachtete und nach dem Adel der Seele trachtete. Diesen ließ nun der selige Franziskus, wie er oft zu tun pflegte, zu sich rufen, etwa vierzehn Tage vor der Geburt des Herrn, und sprach zu ihm: so „Wenn du wünschest, dass wir bei Greccio das bevorstehende Fest des Herrn feiern, so gehe eilends hin und richte sorgfältig her, was ich dir sage. Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen." [...]


Es nahte aber der Tag der Freude, die Zeit des Jubels kam heran. Aus mehreren Niederlassungen wurden die Brüder gerufen. Männer und Frauen jener Gegend bereiteten, so gut sie konnten, freudigen Herzens Kerzen und Fackeln, um damit jene Nacht zu erleuchten, die mit funkelndem Sterne alle Tage und Jahre erhellt hat. Endlich kam der Heilige Gottes, fand alles vorbereitet, sah es und freute sich. Nun wird eine Krippe zurechtgemacht, Heu herbeigebracht, Ochs und Esel herzugeführt. Zu Ehren kommt da die Einfalt, die Armut wird erhöht, die Demut gepriesen, und aus Greccio wird gleichsam ein neues Bethlehem. Hell wie der Tag wird die Nacht, und Menschen und Tieren wird sie liebreich. Die Leute eilen herbei und werden bei dem neuen Geheimnis mit neuer Freude erfüllt. Der Wald erschallt von den Stimmen, und die Felsen hallen wider von dem Jubel. Die Brüder singen und bringen Gott das Lob" gebührend dar, und die ganze Nacht jauchzt auf in hellem Jubel. Der Heilige Gottes steht an der Krippe, er seufzt voll tiefen Wehs, von heiliger Andacht durchschauert und von wunderbarer Freude überströmt. Über der Krippe wird ein Hochamt gefeiert, und ungeahnte Tröstung darf der Priester verspüren. [...]

 

Da legt der Heilige Gottes die Levitengewänder an - denn er war Diakon - und singt mit wohlklingender Stimme" das heilige Evangelium. Und zwar lädt seine Stimme, seine starke
Stimme, seine sanfte Stimme, seine klare Stimme, seine wohl- klingende Stimme alle zum höchsten Preise ein. Dann predigt er dem umstehenden Volk von der Geburt des armen Königs. [...]

[...] der Jesusknabe war in vieler Herzen vergessen. Da wurde er in ihnen mit seiner Gnade durch seinen heiligen Diener Franziskus wieder erweckt und zu eifrigem Gedenken eingeprägt. [...]

Endlich beschließt man die nächtliche Feier, und ein jeder kehrt in seliger Freude nach Hause zurück. Später wurde die Stelle, an der die Krippe gestanden, dem Herrn als Tempel geweiht und zu Ehren des hochseligen Vaters Franziskus über der Krippe ein Altar errichtet und eine Kirche gebaut", damit dort, wo einst die Tiere das Heu fraßen, in Zukunft die Menschen zum Heile der Seele und des Leibes das Fleisch unseres Herrn Jesus Christus, des Lammes ohne Fehl und Makel"', genießen könnten, der in höchster und unaussprechlicher Liebe sich selbst für uns hingegeben hat und der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht als ewig glorrwürdiger Gott durch alle Ewigkeit. Amen. Alleluia, Alleluia.

I Cel 84-87

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