Der Papst sah im Traume - so hat er es selbst
berichtet -, wie die Laterankirche dem Einsturz nahe war; doch ein armer
Mann, bescheiden und verachtet, stützte sie mit seiner Schulter, damit
sie nicht zusammenfalle, und hielt sie.
"Diese Regel ist nicht lebbar", so das Urteil der
römischen Kurie über die erste Regel, die Franziskus dem Papst vorlegt. Es
bedarf eines Traumes, damit der mächtige Innonzenz III. umgestimmt wird. Das
Kirchenoberhaupt sieht Franziskus, der wie ein Eckpfeiler die Kirche stützt
und trägt.
Dem Evangelium der Macht stellt Franziskus die Macht
des Evangeliums gegenüber.
Leonardo Boff
Heute schaue ich auf mein Leben in der Kirche, auf meine
Nähe, meine Distanz. Habe ich auch einen Traum von Kirche?
Ich träume von einer Kirche, in der Fantasie und
Persönlichkeit ihren Platz haben.
Ich träume von einer Kirche, in der Lösungen gesucht und nicht
scheinbare Lösungen verordnet werden.
Ich träume von einer Kirche, in der nicht das Recht des Stärkeren gilt.
Ich träume von einer Kirche, die Begleiterin ist in eine mündige,
verantwortungsvolle Freiheit.
Ich träume von einer Kirche, in der man lebendig streiten lernt und
nicht Konflikte tot schweigt.
Ich träume von einer Kirche, die nicht Verfolgung lebt sondern
Vergebung.
Ich träume von einer Kirche, die durch Wahrhaftigkeit, Offenheit und
Geschwisterlichkeit geprägt ist.
Ich träume von einer Kirche, die nicht ausgrenzt sondern einlädt, wie
Jesus es getan hat.
Ich träume von einer Kirche, die den Geist Jesu atmet und die Liebe
Gottes glaubhaft bezeugt.
© gefunden im Publik-Internetforum
Wenn Sie die ganze Geschichte einmal nachlesen wollen:
Da er vor den Papst geführt wurde, erklärte er ihm sein
Vorhaben und bat demütig und inständig, er möge ihm die erwähnte
Lebensregel gutheißen. Weil aber der Statthalter Christi, ein durch
Weisheit ausgezeichneter Mann, die bewundernswerte Reinheit im
einfältigen Herzen des Gottesmannes, seine beharrliche Entschlossenheit
und den glühenden Eifer seines heiligen Vorhabens erkannte, war er
geneigt, huldvoll seiner Bitte zu willfahren. Er erfüllte jedoch die
Bitte, die jener Arme Christi vortrug, nicht sofort, weil sie einigen
Kardinälen als Neuerung und als zu schwer für menschliche Kraft erschien
Unter den Kardinälen war aber ein sehr verehrungswürdiger Mann,
Johann von St. Paul, Bischof von S. Sabina, der jegliches heilige Leben
liebte und dem Armen Christi beistand. Entflammt vom Heiligen Geiste,
sprach er zum Papst und zu seinen Brüdern: „Wenn wir die Bitte dieses
Armen als etwas zu Schweres und als Neuerung ablehnen, obwohl er die
Form des Lebens nach dem Evangelium bestätigt haben möchte, müssen wir
uns hüten, dass wir uns nicht am Evangelium Christi versündigen. Denn
wer behauptet, in der Beobachtung und dem Gelübde der evangelischen
Vollkommenheit liege eine Neuerung, sie seien unvernünftig und unmöglich
zu erfüllen, der lästert ohne Zweifel Christus, den Urheber des
Evangeliums."
Nach diesen Worten wandte sich der Nachfolger des Apostels Petrus dem
Armen Christi zu und sprach zu ihm: „Mein Sohn, bete zu Christus, er
möge uns zeigen, was er mit dir vorhat; wenn wir seinen Willen klarer
erkennen, können wir mit größerer Zuversicht dein frommes Begehren
erfüllen."…….
…..Der Papst sah im Traume — so hat er es selbst
berichtet —, wie die Laterankirche dem Einsturz nahe war; doch ein armer
Mann, bescheiden und verachtet, stützte sie mit seiner Schulter, damit
sie nicht zusammenfalle, und hielt sie. „Wahrlich", sagte er, „das ist
er Mann, der durch sein Werk und seine Lehre die Kirche Christi erhalten
wird." Durch diese Vision gewann er vor allem eine große Verehrung für
Franziskus, erfüllte seine Bitte in allen Stücken, und er liebte den
Diener Christi stets mit besonderer Liebe. Daher gewährte er das
Erbetene und versprach ihm noch mehr zu gewähren. Er bestätigte seine
Regel, gab ihm den Auf trag, Buße zu predigen und ließ allen Laien, die
den Gottesknecht begleitet hatten, kleine Tonsuren scheren, damit sie
das Wort Gottes ungehindert verkünden könnten.
Im Vertrauen auf Gottes Gnade und des Papstes
Gutheißung machte sich Franziskus voll Zuversicht auf den Weg zum
Spoletotal, um Christi Evangelium zu leben und zu lehren.
Bonaventura Leg. maior III 9.10 IV 1
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