27. Februar 2008

 

Mittwoch der

dritten Woche

 

 

 

 

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Segen für Bruder Leo – San Francesco Reliquienkapelle. Fotograf:  P. Gerhard OFM Conv Ruf,  Assisi © assisi.de

 

 

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In der Kirche San Francesco in Assisi wird dieses Reliquiar aufbewahrt: der Segen, den Franziskus eigenhändig für Bruder Leo geschrieben hat:
Der Herr segne und behüte dich.

Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner.
Er wende dir sein Antlitz zu und schenke dir den Frieden.
Der Herr segne dich, Bruder Leo.

SegLeo

Unter den Text des Segens sind von Bruder Leo mit roter Tinte folgende Worte hinzugefügt: „Der selige Franziskus hat diesen Segen mit eigener Hand für mich, Bruder Leo, geschrieben." Unter den Buchstaben T ist ein Kopf gezeichnet. Bruder Leo schreibt dazu am unteren Rand die Erklärung: „Ebenso verfertigte er dieses Zeichen Thau mit dem Kopf mit eigener Hand".

Franziskus hat das Zeichen Tau gerne verwendet. Er setzte es unter seine Briefe und malte es in Kapellen auf die Wand. So wurde es geradezu zum Wappenzeichen der Minderen Brüder.  Franziskus dachte dabei wohl an einen Text aus der Bibel im Buch des Propheten Ezechiel (Ez 9, 4-6), wo die Auserwählten mit diesem Zeichen auf der Stirn besiegelt werden: „Rühret aber niemand an, der das Tau trägt" (Ez 9, 6).

Franziskus wählt auch einen Segensspruch aus dem Alten Testament und macht damit deutlich, der Segen, den er Leo zuspricht, ist wie jeder Segenswunsch ein Widerhall des Segens, den Gott über uns spricht seit dem ersten Augenblick unserer Existenz.

 

Ich brauche einen solchen Segen (lateinisch "Benedictus" = im übertragenen Sinn „ein gutes Wort“), denn es gibt auch die Momente in meinem Leben, in denen ich eher meine, unter einem Fluch statt unter dem Segen zu leben. Das macht das Leben nicht einfach.

 

Heute kann ich achten auf die „guten Worte“, die jemand über mich sagt, und ich kann anderen ein gutes Wort sagen. Vielleicht bitte ich sie um ihren Segen oder ich segne sie.

 

Ein Segen ist wesentlich mehr als ein Wort des Lobes oder der Anerkennung; er ist mehr als ein Hinweis auf die Talente oder guten Taten eines Menschen; er bedeutet mehr, als jemanden in gutes Licht stellen. Über jemanden den Segen sprechen bedeutet, zum Geliebtsein dieses Menschen ja sagen und es bekräftigen. Ja, mehr noch: der Segensspruch erschafft die Wirklichkeit, von der er spricht. In unserer Welt gibt es viel gegenseitiges Einander-Bewun­dern, aber genauso viel gegenseitiges Einander-Richten. Jeder Segen geht weit über die Unterscheidung von Bewunderung oder Verurteilung. Tugenden oder Laster, gute oder schlechte Taten hinaus. Der Segen rührt an die ursprüngliche Gutheit des andern und ruft sein Geliebtwerden wach.

Henri Nouwen

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