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Drei Tage dauern die Festlichkeiten des „calendimaggio“
Anfang Mai in Assisi. Bräuche des Mittelalters und der Renaissance werden
wachgerufen. In Theatervorführungen, Konzerten, im Volkstanz, in Umzügen,
in Wettbewerben der Bogen- und Armbrustschützen und Fahnenschwinger treten
die beiden mittelalterlichen Parteien der Ober- und Unterstadt zu einem
großartigen Wettkampf an.
Auf dem Bild heute: Musikanten bei diesem großen Fest.
Ich werde erinnert an ein Wort des hl. Ignatius von
Antiochien: „Nehmt Gottes Melodie in Euch auf.“ Auf dem Weg nach Rom, wo das
Martyrium auf ihn wartet, schreibt er in Ketten dieses Wort. Er war auch in
dieser Bedrängnis überzeugt, Gott hat für jeden eine Lebensmelodie. Und alle
Stimmen zusammen ergeben eine Symphonie, einen Zusammenklang.
Was ist Gottes Melodie für mich? Sie dringt gewiss nicht
lautstark an mein Ohr. Wenn ich still werde, mich durch den Lärm der Welt
nicht ablenken lasse, kann ich sie vernehmen. Manchmal erscheint sie wie
eine Vielzahl einzelner Töne ohne jeden Zusammenhang, manchmal wie ein
Missklang und ich vergesse, dass es nur im Zusammenspiel und Zusammenklang
mit anderen eine Harmonie ergibt. Die Melodie erklingt in vielen
Variationen, so wie auch mein Leben sich verändert.
Ich will genau hinhorchen.
Zuweilen aber machte es Franziskus also: Wenn der
Geist in seinem Innern in süßer Melodie aufwallte, gab er ihr in einem
französischen Lied Ausdruck, und der Hauch des göttlichen Flüsterns, den
sein Ohr heimlich empfangen hatte, brach in einen französischen
Jubelgesang aus. Manchmal hob er auch, wie ich mit eigenen Augen
gesehen habe, ein Holz vorn Boden auf und legte es über seinen linken
Arm, nahm dann einen kleinen, mit Faden bespannten Bogen in seine Rechte
und führte ihn über das Holz wie über eine Geige. Dazu führte er
entsprechende Bewegungen aus und sang in französischer Sprache vom
Herrn.
Thomas von Celano II Cel 127
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