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PREDIGT
von Stadtdechant
und Münsterpfarrer
Msgr. Wilfried
Schumacher
am Gründonnerstag, 20.03.2008
im Bonner Münster
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Predigt
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In unseren Bäckereien gibt es mehr als 300 Sorten Brot - vom
Holzofenbrot über den Pumpernickel bis hin zu Sauerteig- und Müslibrot. Und
die Statistiker wissen: rund 85 Kilo isst der Durchschnittsdeutsche im Jahr
ein, das sind ein Brötchen und vier Scheiben täglich.
Ein ganz einfaches Brot steht im Mittelpunkt unseres
Gottesdienst: aus Wasser und Mehl bereitet, ohne Sauerteig und Hefe, weil es
hastig bereitet werden musste – wie in den Tagen des Moses beim Aufbruch aus
Ägypten.
In unserer Sprache gibt es ein Wort, das ursprünglich
bedeutet, das tägliche Brot miteinander teilen, das aber heute einen
Beigeschmack bekommen hat: „Kumpan“. Es kommt aus dem lateinischen „conpanis“
und meint denjenigen, der die gleichen Erfahrungen mit mir macht, die
gleiche schwere Arbeit zu leisten hat, der mit mir so vieles teilt, was der
Tag bringt.
Auch im Französischen gibt es dieses Wort:
copain.
Es meint den Menschen, der sich aus allen anderen heraushebt und der mir in
Freundschaft verbunden ist, einen Menschen, der mir viel bedeutet, der mir
so notwendig ist wie das tägliche Brot.
So gesehen sind wir alle „Kumpane Jesu“, einmal weil er
dieses Brot mit uns teilt, und zum anderen, weil er selbst dieses Brot ist -
das Geheimnis unseres Glaubens schlechthin.
Lassen wir uns auch heute vom hl. Franziskus begleiten, wenn
wir dieses Geheimnis etwas näher betrachten:
Für Franziskus ist klar: Der große Gott hat sich ganz klein
gemacht, als Kind in der Krippe, als Sterbender am Kreuz und schließlich
wird er uns zur Speise in der Hostie. Die Krippe weist hin auf seine
Menschwerdung, Abstieg in die Knechtsgestalt, Entäußerung. Das Kreuz weist
auf den äußersten Tiefpunkt dieses Abstiegs: Abstieg bis zum Tod, ja bis zum
Tod am Kreuz. Und der Altar weist darauf hin, dass Gott sich jeden Tag in
Demut klein macht, herabsteigt auf den Altar und sich uns im heiligen Brot
zur Speise gibt.
Oder anders gesagt: während er sich in Bethlehem in die
Zerbrechlichkeit und Armut eines Kindes entäußert hat, gibt er sich jetzt in
die winzige Gestalt des Brotes.
Ganz ergriffen dichtet Franziskus:
Der ganze Mensch zittere
Die ganze Welt wanke
Der Himmel jauchze
Wenn auf dem Altar
In den Händen des Priesters Christus erscheint
Der Sohn des lebendigen Gottes
bewundernswürdige Größe
O bestaunenswerte Gunst
O beschwingte Demut
O demütige Beschwingtheit
Der Herr des Alls
Gott und Gottes Sohn
Demütigt sich
Für unser Heil
Verbirgt Er sich
In der winzigen Gestalt des Brotes.
Aber, so ergriffen er auf der einen Seite ist, so ist ihm
gleichzeitig bewusst: weil sich diese Gegenwart Gottes im eucharistischen
Brot in der Demut zeigt, ist sie nicht zerschmetternd und oder erdrückend,
sondern sie schenkt dem Menschen vor allem Würde.
Schüttet vor Ihm euer Herz aus
Demütigt auch ihr euch
Damit ihr von Ihm erhöht werdet.
(BrOrd 26)
In der Eucharistie wächst der Mensch in die Größe Gottes
hinein. Durch die Gegenwart Gottes wird der Mensch nicht kleiner und
unbedeutender, sondern größer.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; vielmehr habe ich euch
Freunde genannt,
sagt der Herr seinen Jüngern und uns. (Joh 15,15) Oder um es noch einmal mit
anderen Worten zu sagen: er macht uns zu seinen Kumpanen.
Ich erinnere mich an die Berufung des Ezechiel, die mit den
Worten beginnt: „Stell dich auf deine Füße, Menschensohn“. (Ez
2,1) Ergriffen, ehrfürchtig, demütig, aufrecht – aber im vollen Bewusstsein
der eigenen Würde – das ist die franziskanische Haltung gegenüber der
Eucharistie.
Wir sind Kumpane Gottes, aber dies macht uns auch zu Kumpanen
untereinander. Für Franziskus war es undenkbar, dass in einem Kloster
mehrere Messen am Tag gefeiert wurden. „Wenn mehrere Priester am gleichen
Ort sind, so soll der eine in liebender Zuwendung damit zufrieden geben,
Zuhörer bei der Feier eines anderen Priesters zu sein.“.(BrOrd 30f) Die
Eucharistie ist nicht Anlass der Zerstreuung, sondern Ort der Sammlung und
der Einheit. Nicht die Häufung der Messen ist für ihn wichtig, sondern das
Zusammenkommen der Feiernden. An einem solchen Tag wie heute wird dies
deutlich, weil wir uns heute nur zu einem Gottesdienst zusammenfinden. Aber
bin ich wirklich ein Kumpan meiner Nachbarin, meines Nachbarn – bin ich auch
wegen ihm, wegen ihr hier – oder mehr oder weniger gezwungenermaßen?
Es ist nicht getan mit der Kumpanei in diesem Raum. In seinem
Testament spricht der Heilige aus Assisi vom „Tisch des Herrn“ (Test 22) und
damit meint er nicht den Altar, sondern die tätige Liebe, das Almosengeben.
Eucharistie ist für ihn nicht nur die eine Stunde, sondern alle Stunden des
Lebens. Sie ist nicht beschränkt auf den Kirchenraum, sondern reicht bis an
die Tische der Armen. Die Gegenwart Christi bleibt nicht auf den Kirchenraum
beschränkt, sondern erfüllt die Welt. So werden gerade auch die Armen mit
ihren verschiedenen Gesichtern und Lebenssituationen zu unseren Kumpanen.
Die Menschen sehnen sich nach jemandem, der sich hingibt, der
heilt und heiligt, der liebt und mit ihnen leidet. Sie finden ihn in Jesus
und sie müssen ihn finden in seinen Kumpanen, die ihm auf dem Weg dieser
Liebe folgen. |