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Das Fastentuch
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Im Hochchor des Bonner Münsters hängt in dieser Fastenzeit
ein Fastentuch. Damit greifen wir einen fast 1000 Jahre alten Brauch auf: in
der Fastenzeit wurde der Altar sowie das Geschehen am Altar verhüllt. Ein
gestickter Vorhang wird bereits in der Lebensbeschreibung des Abtes Hartmond
von Sankt Gallen um 895 erwähnt.
Das "velum quadragesimale", wie das Fastentuch in der
lateinischen Kirchensprache auch genannt wurde, fand über die Klosterkirchen
auch allmählich Eingang in den Pfarrkirchen und erstreckte sich im 14. und
15. Jahrhundert über das gesamte Abendland.
Die thematische Vorlage bei der Gestaltung unseres Tuches
lieferte uns die theologischen Reflexionen um die „Barmherzigkeiten“ im
Bistum Erfurt im Zusammenhang mit dem Jubiläum „800 Jahre Hl. Elisabeth von
Thüringen“. Die dort formulierten sieben modernen Barmherzigkeiten haben wir
in fast schon symbolischen Fotos darstellen lassen, überragt von einer Rose
und gehalten von einer Hand voller Rosenblätter. Die Legende vom Rosenwunder
beschreibt Elisabeth als Almosen spendende Fürstin, deren Korb voller
Speisen sich in einen Korb voller Rosen verwandelt, als sie von ihrem
zornigen Mann zur Rede gestellt wird. „Wenn das Brot, das wir teilen, als
Rose blüht“ – ein modernes geistliches Lied hält dieses Ereignis fest.
Norbert Bach, Fotograf und Grafiker, hat das Tuch gestaltet,
das uns einlädt, mit uns selbst, mit unserem Nächsten und mit Gott in
Berührung zu kommen. In den Fastenpredigten jeweils am Sonntagabend um 18.30
Uhr soll das Fastentuch jeweils Thema sein. |
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Du gehörst dazu
21.02.2007
Aschermittwoch |
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Was unsere Gesellschaft oft kalt und unbarmherzig macht, ist
die Tatsache, dass in ihr Menschen an den Rand gedrückt werden: die
Arbeitslosen, die Ungeborenen, die psychisch Kranken, die Ausländer usw. Das
Signal, auf welche Weise auch immer ausgesendet: "Du bist kein Außenseiter!"
"Du gehörst zu uns!" – z. B. auch zu unserer Pfarrgemeinde – das ist ein
sehr aktuelles Werk der Barmherzigkeit.* |
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Du hast mir zugehört
25.02.2007
Erster Sonntag der Fastenzeit |
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Eine oft gehörte und geäußerte Bitte lautet: "Hab doch einmal
etwas Zeit für mich!"; "Ich bin so allein!"; "Niemand hört mir zu!" Die
Hektik des modernen Lebens, die Ökonomisierung von Pflege und
Sozialleistungen zwingt zu möglichst schnellem und effektivem Handeln. Es
fehlt oft – gegen den Willen der Hilfeleistenden – die Zeit, einem anderen
einfach einmal zuzuhören. Zeit haben, zuhören können – ein Werk der
Barmherzigkeit, paradoxerweise gerade im Zeitalter technisch perfekter,
hochmoderner Kommunikation so dringlich wie nie zuvor!* |
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Du hast gut über
mich geredet
04.03.2007
Zweiter Sonntag der Fastenzeit |
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Jeder hat das schon selbst erfahren: In einem Gespräch, einer
Sitzung, einer Besprechung – da gibt es Leute, die zunächst einmal das Gute
und Positive am anderen, an einem Sachverhalt, an einer Herausforderung
sehen. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik
üben und Widerstand anmelden. Was heute freilich oft fehlt, ist die
Hochschätzung des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine
Anliegen und die Achtung seiner Person. Gut über den anderen reden – ob
nicht auch Kirchenkritiker manchmal barmherziger sein könnten?* |
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Du hast mich
besucht
11.03.2007
Dritter Sonntag der Fastenzeit |
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Meine Erfahrung ist: Den anderen in seinem Zuhause aufsuchen
ist besser, als darauf warten, dass er zu mir kommt. Der Besuch schafft
Gemeinschaft. Er holt den anderen dort ab, wo er sich sicher und stark
fühlt. Die Besuchskultur in unseren Pfarrgemeinden ist sehr kostbar. Lassen
wir sie nicht abreißen! Gehen wir auch auf jene zu, die nicht zu uns
gehören. Sie gehören Gott, das sollte uns genügen.*
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Du bist ein Stück
mit mir gegangen
18.03.2007
Vierter Sonntag der Fastenzeit |
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Vielen ist mit einem guten Rat allein nicht geholfen. Es
bedarf in der komplizierten Welt von heute oft einer Anfangshilfe, gleichsam
eines Mitgehens der ersten Schritte, bis der andere Mut und Kraft hat,
allein weiterzugehen. Das Signal dieses Werkes der Barmherzigkeit lautet:
"Du schaffst das! Komm, ich helfe dir beim Anfangen!" Unsere Sozialarbeiter
der Caritas wissen, wovon ich rede.
Aber es geht hier nicht nur um soziale Hilfestellung. Es geht um Menschen,
bei denen vielleicht der Wunsch da ist, Gott zu suchen. Sie brauchen
Menschen, die ihnen Rede und Antwort stehen und die ein Stück des möglichen
Glaubensweges mit ihnen mitgehen.*
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Du hast mit
mir geteilt
25.03.2007
Fünfter Sonntag |
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Es wird auch in Zukunft keine vollkommene Gerechtigkeit auf
Erden geben. Es braucht Hilfe für jene, die sich selbst nicht helfen können.
Das Teilen von Geld und Gaben, von Möglichkeiten und Chancen wird in einer
Welt noch so perfekter Fürsorge notwendig bleiben. Ebenso gewinnt die alte
Spruchweisheit gerade angesichts wachsender gesellschaftlicher Anonymität
neues Gewicht: "Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte
Freude!"* |
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Du hast für mich gebetet
01.04.2007
Palmsonntag |
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Wer für andere betet, schaut auf sie mit anderen Augen. Er
begegnet ihnen anders. Auch Nichtchristen sind dankbar, wenn für sie gebetet
wird. Ein Ort in der Stadt, im Dorf, wo regelmäßig und stellvertretend alle
Bewohner in das fürbittende Gebet eingeschlossen werden, die Lebenden und
die Toten – das ist ein Segen. Sag es als Mutter, als Vater deinem Kind: Ich
bete für dich! Tun wir es füreinander, gerade dort, wo es Spannungen gibt,
wo Beziehungen brüchig werden, wo Worte nichts mehr ausrichten. Gottes
Barmherzigkeit ist größer als unsere Ratlosigkeit und Trauer.* |
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Was ihr
für einen
meiner geringsten Brüder
getan habt,
das habt ihr
mir getan.
Mt 25,40 |
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Das Bildnis
Christi
Fresko im Bonner
Münster aus dem Jahre 1300
Südliches
Querschiff |
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* Wanke, Joachim (Bischof von Erfurt):
"Elisabeth will uns in Bewegung bringen", Predigt zur Eröffnung des
Elisabeth-Jahres im Bistum Erfurt. Erfurter Dom, 18.11.2006. Hier aus
www.bistum-erfurt.de |
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