01. April 2007 | Fastenpredigt

PALMSONNTAG

 


Die Lesungen der Liturgie

  • Mk 19,28-40 (Evangelium)

    Jes 50, 4-7 | Phil 2,6-11

    LK 22,14 - 23,56 (Passion)

 

 
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FASTENPREDIGT

von Stadtdechant und Münsterpfarrer

Wilfried Schumacher

am Palmsonntag, 01.04.2007

im Bonner Münster

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Die letzten Worte von großen Menschen sind überliefert, oft die Quintessenz ihres Lebens betrachtet und von der Nachwelt wie ein Schatz gehütet. Lukas überliefert uns die letzten Worte der Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Der eine übernimmt den Spott der Menge: "Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!" Der andere weist ihn scharf zu Recht dafür. Er weiß um seine Situation: „wir erhalten den Lohn für unsere Taten“.

Er sucht die Schuld nicht länger bei anderen. Er weiß: Ich hänge hier zu recht. Und er ahnt, dass er bei dem Mann am mittleren Kreuz an der richtigen Adresse ist. Der muss etwas mit Gott zu tun haben, der helfen, retten, begnadigen kann, wie schon sein Name besagt: Jeschua - Jesus - Gott rettet. Und so wird sein letztes Wort zu einem Gebet: "Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“

 

 

Er musste wohl bis aufs Kreuz hinauf bevor er zu einer solchen Bitte fähig wurde. Nicht als letzter Ausweg oder als Versicherung auf die Zukunft hin, sondern als Ausdruck einer Überzeugung. Und wahrscheinlich brauchte er den gekreuzigten Jesus als Adressaten seiner Bitte, die er vorher wahrscheinlich nicht an ihn gerichtet hätte.

 

Der verwundete Jesus am Kreuz, der seine Wunden annimmt und nicht leugnet, hilft dem verwundeten Verbrecher mit seiner geschundenen Existenz in Berührung zu kommen. Der andere dagegen hat immer noch nicht verstanden, was die Stunde geschlagen hat.

 

Der verwundete Jesu wird so zum Heiland, der die Wunden heilt, weil sein Herz für Menschen schlug. Er ist, wie es der Papst in seiner Fastenbotschaft sagt, die erschütterndste Offenbarung der Liebe Gottes. Es ist ein letzter Akt der Barmherzigkeit, der Zuwendung, wenn er auf die Bitte des Verbrechers antwortet: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“

 

Diese Szene auf Golgotha fasst das Leben Jesu zusammen: den Glauben, den er fand, die Ablehnung auf die er stieß und sein Erbarmen, das alle menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

 

In der Betrachtung der Barmherzigkeiten in dieser Fastenzeit wird uns heute die letzte vorgestellt: Du hast für mich gebetet. Als Symbol dargestellt mit einem Auge. Vielleicht hätten wir uns da eher gefaltete Hände vorgestellt. Weshalb ein Auge?

 

Es geht um das Gebet für andere. In der Fürbitte nehme ich sie mit vor Gott. Gleichzeitig nähere ich mich ihnen aber auch, denn so sagt es Jörg Zink „ Es gibt nicht nur ein Kennen von Mensch zu Mensch, sondern auch ein Kennen auf dem Umweg über die Augen Gottes.“

 

Wir kennen das alle: es gibt Menschen, die uns nicht sympathisch sind, mit denen wir uns schwer tun. Wenn wir für diese Menschen beten, dann kann es geschehen, dass wir sie mit anderen Augen sehen, dass wir sie verstehen, ihre Ängste begreifen, ihre Nöte und Sorgen klarer sehen, ihre Freude mit ihnen teilen.

 

Wenn wir für andere beten, dann denken wir an sie, bewahren sie davor, in Vergessenheit zu geraten und manchmal erkennen wir sogar, was wir tun müssten, wie wir helfen könnten oder welches Verhalten angebracht wäre.

 

Den anderen mit ins Gebet nehmen – ist ein Liebesdienst, auf den viele Menschen warten, vielleicht auch deshalb weil vielen das Beten so schwer fällt. „Ich bete für Dich“ darf kein leeres Wort sein, erst recht keine billige Lösung.

 

Mit dem Blick auf die Szene der Kreuzigung dürfen wir gewiss sein, dass die Antwort des Herrn nicht lange ausbleibt.

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