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FASTENPREDIGT
von Stadtdechant
und Münsterpfarrer
Wilfried
Schumacher
am Palmsonntag, 01.04.2007
im Bonner Münster
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Die
letzten Worte von großen Menschen sind überliefert, oft die Quintessenz
ihres Lebens betrachtet und von der Nachwelt wie ein Schatz gehütet. Lukas
überliefert uns die letzten Worte der Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt
wurden. Der eine übernimmt den Spott der Menge: "Bist du nicht der Messias?
Dann hilf dir selbst und auch uns!" Der andere weist ihn scharf zu Recht
dafür. Er weiß um seine Situation: „wir erhalten den Lohn für unsere Taten“.
Er
sucht die Schuld nicht länger bei anderen. Er weiß: Ich hänge hier zu recht.
Und er ahnt, dass er bei dem Mann am mittleren Kreuz an der richtigen
Adresse ist. Der muss etwas mit Gott zu tun haben, der helfen, retten,
begnadigen kann, wie schon sein Name besagt: Jeschua - Jesus - Gott rettet.
Und so wird sein letztes Wort zu einem Gebet: "Jesus, denk an mich, wenn du
in dein Reich kommst.“
Er
musste wohl bis aufs Kreuz hinauf bevor er zu einer solchen Bitte fähig
wurde. Nicht als letzter Ausweg oder als Versicherung auf die Zukunft hin,
sondern als Ausdruck einer Überzeugung. Und wahrscheinlich brauchte er den
gekreuzigten Jesus als Adressaten seiner Bitte, die er vorher wahrscheinlich
nicht an ihn gerichtet hätte.
Der
verwundete Jesus am Kreuz, der seine Wunden annimmt und nicht leugnet, hilft
dem verwundeten Verbrecher mit seiner geschundenen Existenz in Berührung zu
kommen. Der andere dagegen hat immer noch nicht verstanden, was die Stunde
geschlagen hat.
Der
verwundete Jesu wird so zum Heiland, der die Wunden heilt, weil sein Herz
für Menschen schlug. Er ist, wie es der Papst in seiner
Fastenbotschaft sagt, die erschütterndste Offenbarung der Liebe Gottes.
Es ist ein letzter Akt der Barmherzigkeit, der Zuwendung, wenn er auf die
Bitte des Verbrechers antwortet: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese
sein.“
Diese
Szene auf Golgotha fasst das Leben Jesu zusammen: den Glauben, den er fand,
die Ablehnung auf die er stieß und sein Erbarmen, das alle menschliche
Vorstellungskraft übersteigt.
In der
Betrachtung der Barmherzigkeiten in dieser Fastenzeit wird uns heute die
letzte vorgestellt: Du hast für mich gebetet. Als Symbol dargestellt mit
einem Auge. Vielleicht hätten wir uns da eher gefaltete Hände vorgestellt.
Weshalb ein Auge?
Es geht
um das Gebet für andere. In der Fürbitte nehme ich sie mit vor Gott.
Gleichzeitig nähere ich mich ihnen aber auch, denn so sagt es Jörg Zink „
Es gibt nicht nur ein Kennen von Mensch zu Mensch,
sondern auch ein Kennen auf dem Umweg über die Augen Gottes.“
Wir
kennen das alle: es gibt Menschen, die uns nicht sympathisch sind, mit denen
wir uns schwer tun. Wenn wir für diese Menschen beten, dann kann es
geschehen, dass wir sie mit anderen Augen sehen, dass wir sie verstehen,
ihre Ängste begreifen, ihre Nöte und Sorgen klarer sehen, ihre Freude mit
ihnen teilen.
Wenn
wir für andere beten, dann denken wir an sie, bewahren sie davor, in
Vergessenheit zu geraten und manchmal erkennen wir sogar, was wir tun
müssten, wie wir helfen könnten oder welches Verhalten angebracht wäre.
Den
anderen mit ins Gebet nehmen – ist ein Liebesdienst, auf den viele Menschen
warten, vielleicht auch deshalb weil vielen das Beten so schwer fällt. „Ich
bete für Dich“ darf kein leeres Wort sein, erst recht keine billige Lösung.
Mit dem Blick auf die
Szene der Kreuzigung dürfen wir gewiss sein, dass die Antwort des Herrn
nicht lange ausbleibt.
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