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Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Ostern findet
unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wenn wir sehr wohlwollend
rechnen, dann gehen heute vielleicht 15% der Bonner Bevölkerung zu den
Ostergottesdiensten. Die anderen begnügen sich mit dem Schmunzelosterhasen
oder dem mit dem Glöckchen, verstecken ein paar Eier im Garten und freuen
sich an zwei freien Tagen.
Auch damals in Jerusalem war es nicht anders: Die Welt hat
nichts davon gemerkt; nur die wenigen, denen Jesus sich zeigen und die er in
die Welt hinausschicken wollte, haben davon etwas mitbekommen. Es dürfte in
der Weltgeschichte kein Ereignis von solcher Bedeutung geben, das
gleichzeitig so unauffällig geblieben ist.
Auferstehung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, während der
Tod täglich Schlagzeilen macht.
Auch der Tod, der nicht seinen Weg in die Nachrichten findet,
beschäftigt uns:
die trostlose Einsamkeit
die zerbrochene Beziehung
die bodenlose Traurigkeit
die beklemmende Lähmung
die schmerzliche Trennung
das erschütternde Unglück
das Sterben der Lieben.
Der Tod hat viele Gesichter und jedes will angeschaut und
ernst genommen werden. Unsere Hilflosigkeit offenbart sich manchmal im
unnützen Geschwätz und Gerede, im nutzlosen Versuch, ihn glaubend
„schönzureden“. Alles, was wir sagen, klingt schnell leer und hohl.
Es gilt den Tod in seiner Kälte und Grausamkeit auszuhalten,
der Schmerz lässt sich nicht betäuben. Auch Jesus hat seinen Tod nicht
leicht genommen, so als handle es sich nur um einen schnellen Durchgang zu
einem besseren Leben. Sein „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich
verlassen“ ist seit Golgotha aus Millionen Seelen geschrieen worden.
Am Karfreitag haben wir Gott den Tod entgegengestreckt, jeden
Tod. Es gibt soviel davon im eigenen Leben und im Leben der anderen.
Am Karfreitag haben wir Gott den Tod entgegengestreckt, weil
wir uns mit dem Tod nicht zufrieden geben können. „Unendlicher Tod - allein
werde ich ihn niemals besiegen“, heißt es in einem zeitgenössischen Gedicht.
Wie furchtbar wäre es, wenn der Tod unendlich wäre!
Unser kleines Leben würde sich nur noch um sich selbst
drehen, immer schneller – bis es hilflos zusammenbräche.
Der unendlich scheinende Tod begleitet auch die Frauen, die
sich am Ostersonntag aufmachen zum Grab Jesu. Sie wollen den Toten salben,
wie es Sitte ist. Statt des Toten finden sie einen Engel, der ihnen erklärt,
was sie selbst nicht verstehen: Erschreckt nicht!
Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist
nicht hier. (Mk 16,6)
Eine unglaubliche Botschaft, die die Kirche seit jeher mit
drei Zeichen verbindet, die uns helfen können, zu verstehen, was da
geschehen ist:
Das Licht
So wie das Licht in die Dunkelheit einbricht und sie erhellt,
so hat das neue Leben Jesu den Tod besiegt.
Vielleicht das eindruckvollste Zeichen dieser Nacht. Wir aber
würden es missverstehen, wenn wir die Kerzen, die wir in den Händen halten,
nur als Lichtquelle für uns deuten würden. Es sind eigentlich die kleinen
Lichter, die durch uns, die Jüngerinnen und Jünger Jesu heute in der Welt
entzündet werden müssen, damit der Tod dort immer weniger eine Chance hat.
Das Halleluja
Die alten Lieder stimmen nicht mehr angesichts dessen, was
geschehen ist. Wenn selbst das sicherste auf dieser Erde, der Tod, nicht
mehr sicher ist, dann muss ein neues Lied her, dass die Kirche immer
wiederholt, so als reichten die Worte nicht aus, zu beschreiben, was da
geschehen ist. Auch das Halleluja dürfen wir nicht zu unserer eigenen
Unterhaltung singen. Seine Botschaft kann die Misstöne dieser Welt in
Harmonien verwandeln.
Das Wasser
Neues Leben verlangt nach dem Wasser als Zeichen. Ich
erinnere mich an einen Tag in der Wüste: grau lag sie vor uns. Nach einem
erfrischenden Regen in der Nacht, war sie von einem blauen Flaum überzogen.
Tausende Blüten zeigten das Leben an, das in ihr steckt.
„Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann
er nicht in das Reich Gottes kommen“, sagt Jesus. Die Taufe ist das
Sakrament, in dem Auferstehung heute Wirklichkeit wird. Wisst ihr denn
nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen
Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den
Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit
des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue
Menschen leben. (Röm 6,3-4)
Die meisten von uns haben die Taufe als Kind empfangen und
unsere Eltern haben unseren Glauben im Voraus bekannt. Sie haben uns das
biologische Leben geschenkt, ohne uns fragen zu können, ob wir leben wollen
oder nicht, in der Überzeugung, dass es gut ist zu leben, dass das Leben ein
Geschenk ist.
Und genauso waren sie davon überzeugt, dass das biologische
Leben erst dann zu einem echten Geschenk wird, wenn es wiedergeboren wird zu
einem unbesiegbaren Leben in Jesus Christus. So wurde uns in unserer Taufe
die Gewähr für das wahre Leben gegeben.
Auch dieses Zeichen ist uns nicht allein zu unserem eigenen
Heil gegeben. Als Getaufte sind wir auch Gesandte. Durch die Taufe haben
die Getauften am Priestertum Christi, an seiner prophetischen und
königlichen Sendung teil. Sie sind „ein auserwähltes Geschlecht, eine
königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes
Eigentum wurde, damit [sie] die großen Taten dessen [verkünden], der [sie]
aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat" (1 Petr 2,9).
– sagt der Katechismus.
Ob Ostern
weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, liegt auch an
uns. Wir müssen den Tod in der Welt ernst nehmen und können ihm unsere
Überzeugung entgegenhalten. Er hat nicht das letzte Wort. Unser Papst sagt
es so: Christen glauben nämlich trotz
aller Unbegreiflichkeiten und Wirrnisse ihrer Umwelt weiterhin an die ,,Güte
und Menschenliebe Gottes’’ (Tit 3, 4).,(Benedikt XVI, Deus caritas est
Nr.38).
Aus den Quellen des Lebens dürfen wir nicht alleine schöpfen. |