Die Arche Noah

auf dem Deckel des Taufsteins

im Bonner Münster

Text: Taufwasserweihegebet

H. Gernot (1980)

© Bonner Münster / N. Bach

 

16. April 2006

OSTERN

Hochfest der Auferstehung des Herrn


Predigt von Stadtdechant und Münsterpfarrer Wilfried Schumacher

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Die Lesungen der Osternacht

  • Gen 1,1-2,2 | Ex 14,15-15,1 | Jes 55,1-11 | Röm 6,3-11 | Mk 16, 1-7

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Ostern findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wenn wir sehr wohlwollend rechnen, dann gehen heute vielleicht 15% der Bonner Bevölkerung zu den Ostergottesdiensten. Die anderen begnügen sich mit dem Schmunzelosterhasen oder dem mit dem Glöckchen, verstecken ein paar Eier im Garten und freuen sich an zwei freien Tagen.

 

Auch damals in Jerusalem war es nicht anders: Die Welt hat nichts davon gemerkt; nur die wenigen, denen Jesus sich zeigen und die er in die Welt hinausschicken wollte, haben davon etwas mitbekommen. Es dürfte in der Weltgeschichte kein Ereignis von solcher Bedeutung geben, das gleichzeitig so unauffällig geblieben ist.

 

Auferstehung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, während der Tod täglich Schlagzeilen macht.

Auch der Tod, der nicht seinen Weg in die Nachrichten findet, beschäftigt uns:

die trostlose Einsamkeit

die zerbrochene Beziehung

die bodenlose Traurigkeit

die beklemmende Lähmung

die schmerzliche Trennung

das erschütternde Unglück

das Sterben der Lieben.

 

Der Tod hat viele Gesichter und jedes will angeschaut und ernst genommen werden. Unsere Hilflosigkeit offenbart sich manchmal im unnützen Geschwätz und Gerede, im nutzlosen Versuch, ihn glaubend „schönzureden“. Alles, was wir sagen, klingt schnell leer und hohl.

 

Es gilt den Tod in seiner Kälte und Grausamkeit auszuhalten, der Schmerz lässt sich nicht betäuben. Auch Jesus hat seinen Tod nicht leicht genommen, so als handle es sich nur um einen schnellen Durchgang zu einem besseren Leben. Sein „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ ist seit Golgotha aus Millionen Seelen geschrieen worden.

 

Am Karfreitag haben wir Gott den Tod entgegengestreckt, jeden Tod. Es gibt soviel davon im eigenen Leben und im Leben der anderen.

Am Karfreitag haben wir Gott den Tod entgegengestreckt, weil wir uns mit dem Tod nicht zufrieden geben können. „Unendlicher Tod - allein werde ich ihn niemals besiegen“, heißt es in einem zeitgenössischen Gedicht. Wie furchtbar wäre es, wenn der Tod unendlich wäre!

Unser kleines Leben würde sich nur noch um sich selbst drehen, immer schneller – bis es hilflos zusammenbräche.

 

Der unendlich scheinende Tod begleitet auch die Frauen, die sich am Ostersonntag aufmachen zum Grab Jesu. Sie wollen den Toten salben, wie es Sitte ist. Statt des Toten finden sie einen Engel, der ihnen erklärt, was sie selbst nicht verstehen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. (Mk 16,6)

 

Eine unglaubliche Botschaft, die die Kirche seit jeher mit drei Zeichen verbindet, die uns helfen können, zu verstehen, was da geschehen ist:

 

Das Licht

So wie das Licht in die Dunkelheit einbricht und sie erhellt, so hat das neue Leben Jesu den Tod besiegt.

Vielleicht das eindruckvollste Zeichen dieser Nacht. Wir aber würden es missverstehen, wenn wir die Kerzen, die wir in den Händen halten, nur als Lichtquelle für uns deuten würden. Es sind eigentlich die kleinen Lichter, die durch uns, die Jüngerinnen und Jünger Jesu heute in der Welt entzündet werden müssen, damit der Tod dort immer weniger eine Chance hat.

 

Das Halleluja

Die alten Lieder stimmen nicht mehr angesichts dessen, was geschehen ist. Wenn selbst das sicherste auf dieser Erde, der Tod, nicht mehr sicher ist, dann muss ein neues Lied her, dass die Kirche immer wiederholt, so als reichten die Worte nicht aus, zu beschreiben, was da geschehen ist. Auch das Halleluja dürfen wir nicht zu unserer eigenen Unterhaltung singen. Seine Botschaft kann die Misstöne dieser Welt in Harmonien verwandeln.

 

Das Wasser

Neues Leben verlangt nach dem Wasser als Zeichen. Ich erinnere mich an einen Tag in der Wüste: grau lag sie vor uns. Nach einem erfrischenden Regen in der Nacht, war sie von einem blauen Flaum überzogen. Tausende Blüten zeigten das Leben an, das in ihr steckt.

 

Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“, sagt Jesus. Die Taufe ist das Sakrament, in dem Auferstehung heute Wirklichkeit wird. Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. (Röm 6,3-4)

 

Die meisten von uns haben die Taufe als Kind empfangen und unsere Eltern haben unseren Glauben im Voraus bekannt. Sie haben uns das biologische Leben geschenkt, ohne uns fragen zu können, ob wir leben wollen oder nicht, in der Überzeugung, dass es gut ist zu leben, dass das Leben ein Geschenk ist.

Und genauso waren sie davon überzeugt, dass das biologische Leben erst dann zu einem echten Geschenk wird, wenn es wiedergeboren wird zu einem unbesiegbaren Leben in Jesus Christus. So wurde uns in unserer Taufe die Gewähr für das wahre Leben gegeben.

Auch dieses Zeichen ist uns nicht allein zu unserem eigenen Heil gegeben. Als Getaufte sind wir auch Gesandte. Durch die Taufe haben die Getauften am Priestertum Christi, an seiner prophetischen und königlichen Sendung teil. Sie sind „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit [sie] die großen Taten dessen [verkünden], der [sie] aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat" (1 Petr 2,9). – sagt der Katechismus.

 

Ob Ostern weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, liegt auch an uns. Wir müssen den Tod in der Welt ernst nehmen und können ihm unsere Überzeugung entgegenhalten. Er hat nicht das letzte Wort. Unser Papst sagt es so: Christen glauben nämlich trotz aller Unbegreiflichkeiten und Wirrnisse ihrer Umwelt weiterhin an die ,,Güte und Menschenliebe Gottes’’ (Tit 3, 4).,(Benedikt XVI, Deus caritas est Nr.38).

Aus den Quellen des Lebens dürfen wir nicht alleine schöpfen.

 

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