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Wasser ist zum waschen da, falleri und fallera, auch zum
Zähne putzen kann man es benutzen, so sang man vor
50 Jahren und beschrieb ein gewiss wenig banal eine wichtige Wirkung des
Wassers. Ohne Wasser können wir nicht leben. Wobei die Hochwasser-Opfer an
der Elbe in der gegenwärtigen Situation das wohl etwas anders formulieren
würden.
Inzwischen werden mehr Kriege ums Wasser als ums Öl geführt.
Wer hat Zugang zu den Quellen, wer gräbt wem das Wasser ab? Inzwischen
spricht man sogar von einem Menschenrecht auf Wasser und mit Sorge muss man
in manchen Ländern beobachten, dass Großkonzerne sich in den Besitz der
Quellen bringen und Wasser teuer verkaufen, was den Ärmsten die Versorgung
erschwert, weil sie sich das, was sie zum Leben brauchen nicht leisten
können. Es ist eine zugleich einfache und grausame Wahrheit: Wasser ist ein
für den Menschen lebenswichtiger, gefährdeter und seltener Rohstoff.
Von all dem hat der hl. Franziskus nichts gewusst, der in
seinem Sonnengesang singt:
Gelobt seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
die sehr nützlich und demütig ist und kostbar und rein.
Nützlich und kostbar ist das Wasser für ihn. Da stimmen wir
gewiss unumwunden zu. Rein kommt das Wasser zwar noch aus den Quellen, aber
bevor es unseren Wasserhahn erreicht, muss es aufwändig gesäubert werden.
Was aber bedeutet „demütig“? Das Wasser fließt immer abwärts, sucht sich
immer den niedrigsten Platz, wo es sich sammelt. Für Franziskus ein Zeichen
von Demut.
Das Wasser hat uns in dieser Fastenzeit begeleitet. Hier
vorne stand ein Bottich mit Wasser und unser gemeinsamer Weg nach Ostern war
überschrieben „Quellen des Lebens“.
Heute am Gründonnerstag begegnet uns wieder das Wasser bei
einer Tat Jesu, die die Jünger damals sehr überrascht hat:
Jesus, der Meister und Herr, verlässt seinen
Platz am Tisch, um den Platz des Dieners einzunehmen. Der Meister
selbst nimmt Wasser und wäscht seinen Jüngern die Füße.
Demütig zeigt er, dass alle Worte über die „Liebe“ eingeholt werden müssen
durch die Tat. Sonst bleiben sie hohl und leer,
klingen wie „dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke“ (1 Kor 13,1).
Lieben geht nicht
theoretisch. „Ich liebe dich“, das kann man nicht mal so einfach nur
sagen. Das wissen alle, die es schon einmal gesagt und schon einmal gehört
haben. Liebe, Freundschaft – das ist kein one-night-Stand, kein Versprechen
für eine Nacht, das will sich beweisen im Alltag des Lebens.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für
seine Freunde hingibt, (Joh 15,13) das kann
man sagen. Aber wenn diesem Wort keine Konkretion folgt, verfliegt es wie
ein Staubkorn im Wind. Was es bedeutet versteht wohl niemand in dieser
Stunde des Abendmahls. Es deutet sich an in diesem Tun des Herrn, der vor
seinen Freunden kniet und ihnen die Füße wäscht.
Durch das Zeichen der
Fußwaschung sagt uns Jesus sagt, worin für ihn die Liebe besteht, den
Menschen zu dienen. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie
ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
( Joh 13,34) Aus dieser Geste Jesu ergibt sich für ihn und alle die ihm
folgen, ein neuer Lebensstil: »Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit
auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe« (Joh 13,15).
Ein Gedanke, der in unserer
„Ich-Gesellschaft“ völlig abwegig zu sein scheint. Der Vorteil des „Ego“
steht dort an erster Stelle. Was bringt mir das ein, was habe ich davon – so
wird gefragt? Das größere Ganze eines Gemeinwesens wird nicht mehr gesehen.
Erst recht nicht die Zukunft. Man sorgt sich um sich selbst und um die
eigene Altersversorgung. Was braucht man da noch Kinder – sie könnten einen
höchstens in der Lebensqualität einschränken. Eine Gesellschaft ohne Kinder
bringt sich aber um ihre Zukunft.
Eine „Ich-Gesellschaft“ kennt
das Wort „Dienen“ nicht. Deshalb haben wir ganz schnell ein Ersatzwort
geschaffen „Dienstleistung“. Dahinter verbirgt sich ein „Dienst“, den man
bezahlen muss. „Dienen“, das nur solange anhält, wie der Euro rollt.
Nun will ich nicht ganz so
schwarz malen: gewiss gibt es Menschen unter uns, die einander dienen, oft
still, unerkannt und unbemerkt. Noch immer gibt es – Gott sei Dank – Eltern,
die ihr Elternsein auch als Dienst an ihren Kindern verstehen, Menschen, die
nicht nach Geld fragen, wenn es gilt dem anderen einen Dienst zu tun. Die
Bereitschaft zum ehrenamtlichen Einsatz ist nach wie vor gegeben.
Bei Johannes Paul II. fand
ich eine sehr schöne Deutung der Fußwaschung: (Sie) deutet alle Werke der
Liebe und der Barmherzigkeit an, die die Jünger Christi im Lauf der ganzen
Geschichte tun werden, um Gemeinschaft unter den Menschen wachsen zu lassen.
Das bedeutet: dass meine,
Ihre, unsere Liebe und Barmherzigkeit, die wir heute tun, in der Familie, am
Arbeitsplatz, im Ehrenamt oder wo auch immer schon in dieser Fußwaschung des
Herrn abgebildet ist. Oder: dass der Herr mit mir in die Knie geht, wenn ich
Liebe und Barmherzigkeit übe.
Liebe und Barmherzigkeit
üben– das bedeutet konkret für die Verkäuferin drüben beim Kaufhof etwas
anderes als für einen Rechtsanwältin oder einen Bankdirektor, für den
Studenten etwas anderes als für den Rentner, für den Priester etwas anderes
als für den Sozialarbeiter, für die Mutter etwas anderes als für den
Junggesellen.
Anders schon, unterschiedlich
je nach Lebenssituation – aber doch gleich, weil alles in der Fußwaschung
des Herrn sein Vorbild hat.
Geheimnisvoll werden wir so
hinein genommen in das Geschehen im Abendmahlsaal. Wenn wir unseren Brüdern
und Schwestern dienen, entfernen wir uns auf keinen Fall von Gott, sondern
im Gegenteil, er kniet an unserer Seite.
Es ist von daher nur allzu
verständlich, wenn uns heute am Tag der Einsetzung der Eucharistie auch von
der Fußwaschung berichtet wird – Gottesdienst und Menschendienst – beides
sind Orte, an denen Christus selbst uns begegnet. Beides ist eine Quelle des
Lebens. |