Der Einzug in Jerusalem

Fresko im Hochchor des Bonner Münsters

August Martin (1891 - 1894)

© Bonner Münster / N. Bach

 

09. April 2006

PALMSONNTAG


Predigt von Stadtdechant und Münsterpfarrer Wilfried Schumacher

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Die Lesungen der Liturgie

  • Mk 11,1-10 (Evangelium)

    Jes 50, 4-7 | Phil 2,6-11

    Joh 12, 12-16 (Passion)


Jesus kommt nach Bonn

 

In jenen Tagen hörte die Volksmenge,
die sich in Bonn auf das Osterfest vorbereitete,

Jesus komme nach Bonn.

 

Stimmt auch dann noch, was wir da eben gehört haben?

Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen,
und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!

 

Würden wir, würde die Menge sich aufmachen, ihn zu empfangen?

  • Er ist kein Jan Ullrich, der nach der Tour de France, bei der Telekom in unserer Stadt begeistert empfangen wird,

  • er ist auch kein Mitglied der japanischen Fußballnational-Mannschaft, die anlässlich der WM in unserer Stadt logiert, und die Bonn ein bisschen WM-Flair verspricht,

  • er gehört auch nicht zu Tokio-Hotel, die im Mai an der Bundeskunsthalle gastieren und von kreischenden Teenager frenetisch begrüßt werden.

 

Jesus, wer würde dir entgegen gehen?

Vielleicht würden wir uns die Zeit nehmen. Heute Abend noch – aber morgen früh haben wir wieder andere Verpflichtungen. Wenn wir es überlegen, so ganz recht wäre uns das nicht, wenn Du gerade jetzt kämst, vielleicht nach Ostern, oder nach der WM, nein, da sind Sommerferien, vielleicht dann doch erst im Herbst, obwohl soviel Zeit hätten wir dann auch nicht, und dann kommt der Advent und Weihnachten.

 

Was würden wir rufen?

Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!

Klingt nicht mehr so ganz zeitgemäß; ein bisschen verstaubt.

Und außerdem, wir hätten da ne Menge Fragen – endlich könnte er uns auf alle Fragen eine Antwort geben, alle unsere Vorbehalte entkräften.

Wir könnten endlos diskutieren bis wir alles verstanden haben, was nicht zu verstehen ist.

Ob wir dann noch jubeln werden, werden wir sehen. Vielleicht wechseln wir auch sofort zum „Kreuzige ihn!“

 

Wer bewahrt uns davor, dass wir unsere Sehnsüchte nicht auf ihn projizieren - so wie es die Menschen damals getan haben?

Endlich jemand, der dem Hickhack der Politik ein Ende macht. Endlich jemand, der wirklich für blühende Landschaften sorgt. Endlich ein Heiland für alles Unheile in meinem Leben und in der Welt.

Doch wehe, wenn die Erwartungen enttäuscht werden. "Hosanna" und "Kreuzige ihn"; dazwischen gibt es nichts.

 

Also:  Jesus – dein Kommen brächte uns schon in Verlegenheit.

 

Jesus kommt nach Bonn – eine Fiktion!?

 

Gott sei Dank ist er schon da –

aus der Passionsgeschichte, aus der wir eben einen Ausschnitt gehört haben, wissen wir es:

Sie erzählt:

  • Von der Todesangst (im Garten Getsemani)

  • Vom Verrat des Freundes

  • Von der Untreue des Freundes

  • Von Hohn und Spott, vom Mobbing der Soldaten

  • Von falschen Zeugen

  • Vom ungerechten Urteil

  • Vom gottverlassenen Sterben

Aber auch:

  • Von der Liebe der Frau, die Jesus salbt und ihm Gutes tut

  • Von der Unterstützung des Simon von Cyrene

  • Von der kleinen Liebestat einer Veronika

  • Von der Mutter, den Frauen und den Freunden, die unter dem Kreuz aushalten.

 

Szenen der einen Passion, die sich so oder ähnlich in unserem Leben, im Leben der Menschen wiederholen.

 

Jesus kommt nach Bonn – er will weder ins Alte Rathaus, noch ins Münster.

Er will dorthin, wo Menschen leiden und wo die kleine Tat der Liebe das Leiden leichter macht.

 

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