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Jesus kommt nach Bonn
In jenen Tagen hörte die Volksmenge,
die sich in Bonn auf das Osterfest
vorbereitete,
Jesus komme nach Bonn.
Stimmt auch dann noch, was wir da eben
gehört haben?
Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus,
um ihn zu empfangen,
und riefen: Hosanna! Gesegnet sei
er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!
Würden wir, würde die Menge sich
aufmachen, ihn zu empfangen?
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Er ist kein Jan Ullrich, der nach der
Tour de France, bei der Telekom in unserer Stadt begeistert empfangen wird,
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er ist auch kein Mitglied der japanischen
Fußballnational-Mannschaft, die anlässlich der WM in unserer Stadt logiert,
und die Bonn ein bisschen WM-Flair verspricht,
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er gehört auch nicht zu Tokio-Hotel, die
im Mai an der Bundeskunsthalle gastieren und von kreischenden Teenager
frenetisch begrüßt werden.
Jesus, wer würde dir entgegen gehen?
Vielleicht würden wir uns die Zeit nehmen.
Heute Abend noch – aber morgen früh haben wir wieder andere Verpflichtungen.
Wenn wir es überlegen, so ganz recht wäre uns das nicht, wenn Du gerade
jetzt kämst, vielleicht nach Ostern, oder nach der WM, nein, da sind
Sommerferien, vielleicht dann doch erst im Herbst, obwohl soviel Zeit hätten
wir dann auch nicht, und dann kommt der Advent und Weihnachten.
Was würden wir rufen?
Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im
Namen des Herrn, der König Israels!
Klingt nicht mehr so ganz zeitgemäß; ein
bisschen verstaubt.
Und außerdem, wir hätten da ne Menge
Fragen – endlich könnte er uns auf alle Fragen eine Antwort geben, alle
unsere Vorbehalte entkräften.
Wir könnten endlos diskutieren bis wir
alles verstanden haben, was nicht zu verstehen ist.
Ob wir dann noch jubeln werden, werden wir sehen. Vielleicht
wechseln wir auch sofort zum „Kreuzige ihn!“
Wer bewahrt uns davor, dass wir unsere Sehnsüchte nicht auf
ihn projizieren - so wie es die Menschen damals getan haben?
Endlich jemand, der dem Hickhack der Politik ein Ende macht.
Endlich jemand, der wirklich für blühende Landschaften sorgt. Endlich ein
Heiland für alles Unheile in meinem Leben und in der Welt.
Doch wehe, wenn die Erwartungen enttäuscht werden. "Hosanna"
und "Kreuzige ihn"; dazwischen gibt es nichts.
Also: Jesus – dein Kommen brächte uns schon in Verlegenheit.
Jesus kommt nach Bonn – eine Fiktion!?
Gott sei Dank ist er schon da –
aus der Passionsgeschichte, aus der wir eben einen Ausschnitt
gehört haben, wissen wir es:
Sie erzählt:
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Von der Todesangst (im Garten Getsemani)
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Vom Verrat des Freundes
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Von der Untreue des Freundes
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Von Hohn und Spott, vom Mobbing der Soldaten
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Von falschen Zeugen
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Vom ungerechten Urteil
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Vom gottverlassenen Sterben
Aber auch:
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Von der Liebe der Frau, die Jesus salbt und ihm Gutes tut
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Von der Unterstützung des Simon von Cyrene
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Von der kleinen Liebestat einer Veronika
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Von der Mutter, den Frauen und den Freunden, die unter dem
Kreuz aushalten.
Szenen der einen Passion, die sich so oder ähnlich in unserem
Leben, im Leben der Menschen wiederholen.
Jesus kommt nach Bonn – er will weder ins Alte Rathaus, noch
ins Münster.
Er will dorthin, wo Menschen leiden und wo die kleine Tat der
Liebe das Leiden leichter macht.
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